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Wirtschaft : Breitband: Steinburg das große Vorbild

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

IHK-Vollversammlung diesmal bei der Firma Schütt in Landscheide: Präsident schwärmt vom Kreis. Landrat Torsten Wendt warnt hingegen vor schweren Zeiten.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 16:51 Uhr

Für so hohen Besuch drosselte Tillmann Schütt auch gerne mal für eine Stunde die Produktion: In dem renommierten Holzbau-Unternehmen in Landscheide hatte er die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Kiel zu Gast. IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater zeigte sich nach einem Rundgang durch den Betrieb „nachhaltig beeindruckt“. Einen sichtbaren Eindruck hinterließ bei ihm offenbar auch der Umstand, dass alle Gäste den Veranstaltungsort pünktlich erreichen konnten. Die Großbaustelle auf der Bundesstraße 5 war nämlich deutlich vor dem geplanten Termin geräumt worden. „Es geht also doch in unserem Land“, spielte Vater auf eine Reihe ungelöster Infrastrukturprobleme an. Ohnehin geriet er über den Kreis Steinburg geradezu ins Schwärmen. Der von fast allen Kommunen getragenen Breitbandoffensive schrieb er Vorbildcharakter für viele andere Regionen zu. Sein abschließendes Fazit: „In Steinburg geht es voran.“

Das würde wohl auch Landrat Torsten Wendt nur allzu gerne ohne Einschränkungen unterschreiben. Der Chef der Kreisverwaltung goss bei einem kleinen Empfang im Anschluss an die hinter verschlossenen Türen tagende Vollversammlung allerdings reichlich Wasser in den IHK-Wein. „Der Kreis geht schweren Zeiten entgegen“, fasste er angesichts leerer öffentlicher Kassen seine Sorgen zusammen. Während Klaus-Hinrich Vater zuvor noch „von kaum fassbaren Zuwächsen bei den Steuereinnahmen“ gesprochen hatte, hat Landrat Wendt eine im Verfall begriffene öffentliche Infrastruktur vor Augen. „Wie die von Bund und Land verhängte Schuldenbremse und die Anforderungen an Instandsetzung und Ausbau unserer Infrastruktur zusammenpassen, bleibt ein Geheimnis“, meinte er – vielleicht auch schon mit Blick auf die bevorstehenden Gespräche mit den Kommunen über eine Anhebung der Kreisumlage.

Als aktuelles Thema griff Torsten Wendt den unverminderten Zustrom von Flüchtlingen auf – allein in Steinburg geht es zur Zeit um die Unterbringung und Versorgung von 320 Menschen. „Wir stehen hier vor einer riesigen Herausforderung und sind schon jetzt mit unseren Kapazitäten fast am Ende.“ Wendt sprach sich mit Nachdruck für die Entwicklung einer besonderen Willkommenskultur für die Asylsuchenden auf. Zumal: Der Landrat geht davon aus, dass die Zahlen weiter steigen und viele Menschen längerfristig oder sogar auf Dauer bei uns bleiben werden. „Wir werden alle enger zusammenrücken müssen“, stellte sich Klaus-Hinrich Vater spontan an die Seite der kommunalen Vertreter.

Ein weiteres wichtiges Thema war für die Kammer und auch für das „Parlament der Wirtschaft“ die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Klaus-Hinrich Vater rechnete vor, dass allein im Jahr 2013 fast jeder vierte Ausbildungsbetrieb nicht genug geeignete Bewerber gefunden habe. Unterm Strich machte das landesweit rund 2500 unbesetzte Ausbildungsplätze – davon umgerechnet rund 120 im Kreis Steinburg. Im Ausbildungsjahr 2014 registrierte man immerhin eine leicht steigende Zahl von Ausbildungsverträgen. Als Reaktion auf die rückläufigen Bewerberzahlen reagierten die Unternehmen mit vermehrten Angeboten von Praktikaplätzen, verbessertem Ausbildungsmarketing und verstärkter Kooperation mit den Schulen.

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