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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 12:31 Uhr

Prozess : Brandstiftung nach dem Einbruch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Männer legen Feuer, um eine Straftat zu verdecken – doch ein Urteil wegen Mordversuchs ist unwahrscheinlich.

Mordversuch und schwere Brandstiftung – so lautet vor dem Landgericht seit gestern die Anklage gegen einen 22-jährigen früheren Itzehoer. Übrig bleiben voraussichtlich Beihilfe zum versuchten Einbruchdiebstahl und Sachbeschädigung.

Der 1. Februar 2013. Der Angeklagte, ein inzwischen nach Nordrhein-Westfalen verzogener gelernter Landschaftsgärtner, feiert mit seinem damaligen Mitbewohner (26) in seiner Wohnung in Oelixdorf seinen 21. Geburtstag. Eine 48-Stunden-Party ist geplant mit Marihuana, Speed, Ecstasy und Alkohol. Um 4 Uhr früh ziehen die beiden Männer zur Bleibe eines Itzehoers in einem Block in der Straße Hohe Luft. Dieser 21-Jährige ist der Ex-Freund der Ehefrau des Angeklagten und wurde von diesem im Internet bedroht.

Der 26-Jährige tritt ein Fenster ein, das Opfer ist nicht da. Doch der Eindringling verletzt sich schwer am Beine: Die Achillessehne reißt, er blutet stark. Weil er unter Bewährung steht, befürchtet der Mann, über die Blutspuren erwischt zu werden. Um den Einbruchsversuch zu verdecken, soll die Wohnung brennen. Einer der beiden Trinkkumpane steigt in die Wohnung, stellt die Kaffeemaschine auf den Herd und schaltet beides ein. 14 Parteien leben in dem Gebäude, mindestens vier Bewohner sind zu Hause. Nur dem schnellen Eingreifen der von einem Nachbarn alarmierten Feuerwehr ist zu verdanken, dass sich das Feuer nicht ausbreitet. Der Sachschaden beträgt fast 28 000 Euro. Weil der Tod von Menschen in Kauf genommen wurde, lautet die Anklage auf Mordversuch. Nach der Brandstiftung hilft der Jüngere dem Verletzten bei der Rückkehr in die gemeinsame Wohnung. Ein Glastisch wird zertrümmert, der Verletzte wälzt sich in den Scherben, bis sein Blut an ihnen klebt. So findet ihn der Notarzt vor.

Doch der 21-Jährige rückt ins Visier der Ermittler, als er Wochen später zwei Frauen erzählt, wie der Ältere zu seinem Gipsbein kam und dass er selbst den Brand gelegt habe. Gestern aber sind die Aussagen der beiden Zeuginnen vor Gericht wenig ergiebig. Spuren des Angeklagten wurden am Tatort nicht gefunden. Ein Ermittlungsverfahren gegen den 26-Jährigen wurde eingestellt, nun nutzt er sein Recht, die Aussage zu verweigern. Damit hat das Gericht ein Problem, denn die einstigen Freunde beschuldigen sich gegenseitig. ,,Wer es im Einzelnen gewesen ist, erscheint uns mehr als zweifelhaft, und deshalb ist eine Verurteilung problematisch“, stellt der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing fest. So bleiben nur die deutlich geringeren Vorwürfe übrig. Die Sachbeschädigung wurde nicht einmal angezeigt, Staatsanwalt Dr. Joachim Reinhold muss erklären, dass öffentliches Interesse an der Verfolgung der Tat besteht. Gern würde Hülsing zum Urteil kommen, doch der Strafverteidiger bittet um Vertagung, um sich auf sein Plädoyer vorzubereiten – Fortsetzung am 25. September.

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