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Landgericht : Brandstifter verurteilt: Psychiatrie

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wahnvorstellungen und Schizophrenie: Das Landgericht in Itzehoe hat einen 69-jährigen Brandstifter verurteilt. Der Mann muss in eine psychiatrische Klinik.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Es hätte eine Katastrophe werden können: Am Abend des 25. Februar legte ein heute 69-Jähriger Feuer in seiner Wohnung im Feldschmiedekamp. Niemand wurde verletzt, doch der psychisch kranke Mann stand nun vor dem Landgericht. Dieses ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Um 19.09 Uhr wurde die Feuerwehr an jenem Montagabend zum Mehrfamilienhaus im Feldschmiedekamp 1 gerufen. Es brannte im Wohnzimmer der Erdgeschosswohnung, der Mieter war nicht da. Vieles deutete auf Brandstiftung hin: Werkzeug lag herum, die Gastherme war teilweise geöffnet, zwei Platten des Elektroherdes waren eingeschaltet. Das Sofa war laut Anklage mit brennendem Papier in Brand gesteckt worden. Die Feuerwehr löschte unter Atemschutz und bewahrte den Rest des Hauses vor Schäden. Allein in der Brandwohnung entstand ein Schaden in Höhe von 40 000 Euro, wie der Hauseigentümer, ein 45-jähriger Kaufmann aus Horst, vor dem Landgericht aussagte.

Rund drei Stunden nach der Brandstiftung stellte sich der Mieter bei der Polizei und gab die Tat zu. Das widerrief er zwar vor Gericht, dennoch stellte die Strafkammer versuchten Mord in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung fest – aber auch die Schuldunfähigkeit des Angeklagten.

Entscheidend war die Frage: Was tun mit dem 69-Jährigen, der einst als Maschinist auf Schiffen fuhr, aber seit fast 30 Jahren als erwerbsunfähig eingestuft ist? Seine Krankengeschichte reicht bis zum Anfang der 70er Jahre zurück, immer wieder wurde er wegen paranoid-halluzinatorischer Schizophrenie behandelt und hat einige Suizidversuche hinter sich. Die Krankheit bestätigte Gutachter Dr. Thomas Bachmann von der Ameos-Klinik in Neustadt, wo der Itzehoer direkt nach der Tat untergebracht wurde.

Er fühlt sich verfolgt, die amerikanische CIA wolle seine Ideen und Erfindungen stehlen. Mehrfach zog er um, doch „das Monster“ sei immer hinterhergekommen, referierte Bachmann, und der 69-Jährige nickte dazu. Oft störte er nachts andere Mieter, bedrohte sie oder auch Polizisten, wozu auch Alkoholmissbrauch beitrug. Eine Einsicht in die Krankheit habe der Itzehoer nicht gezeigt, auch Medikamente nicht zuverlässig genommen, so Bachmann. Der Wahn werde immer konkreter und „handlungsrelevant“.

Das gab den Ausschlag für das Gericht unter Vorsitz von Eberhard Hülsing: Von dem 69-Jährigen seien weitere schwere Taten zu erwarten bis zur Gefahr von Tötungsdelikten. In der Klinik wird sein Zustand nun von Zeit zu Zeit ärztlich überprüft.

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