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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 22:23 Uhr

Bombenalarm im Weihnachtsverkehr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Herrenloser Koffer in der Nordbahn: Bahnhof gestern Mittag fast zwei Stunden abgesperrt bis zur Entwarnung

„Wir haben noch gesagt: Hoffentlich geht alles glatt.“ Geht es nicht für Stephanie Wahl (44) und ihren Partner Sven Bartels (40) aus Itzehoe. Als sie gestern am späten Vormittag die Zugfahrt Richtung Hannover zu seiner Mutter antreten wollen, stehen sie vor einem abgesperrten Bahnhof. Nach dem Fund eines herrenlosen Koffers in der Nordbahn ist Bombenalarm ausgelöst worden. Kein Zug fährt mehr.

„Es kommt nichts mehr rein und raus“, schildert Sandro Schwarz (18). Der Hamburger hat in der Nordbahn gesessen, in der das Personal auf den Koffer stieß. Die nächste Station und gleichzeitig Endstation war Itzehoe – die Insassen des Zuges seien evakuiert, der Bereich großräumig abgesperrt worden, sagt Peter Berndt von der Polizei Itzehoe. Das sei das normale und vorgeschriebene Vorgehen: „Wenn man es nicht einordnen kann, ist das Gefährdungspotenzial groß.“ So arbeite die Polizei in solchen Fällen, „völlig losgelöst von Berlin“.

Doch der Anschlag in der Hauptstadt ist natürlich in den Köpfen: „Erst Berlin, dann das“, sagt der Itzehoer Patrick Will (26), der seinen Bruder Sandro Schwarz abgeholt hat. Ausgerechnet einen Tag vor Heiligabend müsse das passieren, aber für das Vorgehen der Polizei hat er viel Verständnis: „Sicher ist sicher.“ Einigermaßen mitgenommen ist Stephanie Wahl: „Unbegreiflich“ findet sie das Geschehen. „Ich könnte heulen.“

Nüchtern arbeiten Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Rettungsdienst die Lage ab. Die vielen wartenden Reisenden bekommen Auskunft, so weit es geht: Ein verdächtiger Koffer sei gefunden worden, wann es weitergehe, sei unklar. Um kurz vor 12 Uhr fährt mit Blaulicht der Kampfmittelräumdienst vor. Im schweren Schutzanzug betritt ein Experte den Bahnhof, bald darauf wird der Koffer mit einer Röntgenaufnahme untersucht. Um 13.10 Uhr wird er geöffnet – Entwarnung.

„Ein ganz normaler Koffer“, sagt Peter Berndt. „Eigentlich ist es eine Fundsache.“ Darin: Kinderkleider und Baby-Utensilien, berichtet Hanspeter Schwartz von der Bundespolizei. Nur wissen konnte das vorher niemand: „Wenn so etwas in der jetzigen Situation gemeldet wird, sind wir natürlich vorsichtig.“

Das Ergebnis: Von 11.33 bis 13.23 Uhr ist der Bahnhof gesperrt. „Mindestens zehn Züge sind davon betroffen gewesen“, sagt Schwartz – darunter ein Intercity aus Westerland und ein Güterzug. Stunden dauert es, bis sich der Verkehr wieder normalisiert. Auch Stephanie Wahl und Sven Bartels können sich endlich auf den Weg machen. „Zurzeit ist die Stimmung natürlich angespannt“, sagt der 40-Jährige. „Echt ärgerlich, dass es ausgerechnet heute passiert ist.“

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erstellt am 24.Dez.2016 | 05:00 Uhr

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