Böser Streit mit schönen Folgen

Dieses Logo soll an der Schule prangen: Ricardo, Mika, Romy, Julius, Mara und Sofie mit ihren Klassenkameraden aus der 4a und Klassenlehrerin Sabine Ebert.
Dieses Logo soll an der Schule prangen: Ricardo, Mika, Romy, Julius, Mara und Sofie mit ihren Klassenkameraden aus der 4a und Klassenlehrerin Sabine Ebert.

Klasse 4a ergreift Initiative: Ernst-Moritz-Arndt-Schule soll „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden

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03. Juli 2018, 05:00 Uhr

Es war ein hässlicher Streit, und auch nicht der erste. Doch er hatte sehr positive Folgen: Auf Initiative der Klasse 4a macht sich die Ernst-Moritz-Arndt-Schule auf den Weg zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Als sich die Grundschüler in die Haare gerieten, fielen üble Wörter: „Nigger“ und „Missgeburt“ in die eine Richtung, auch das Echo war hart, zum Beispiel mit „Nazi“. Jetzt sagt Ricardo (10): „Das wollen wir nicht. Die Kinder sind dann traurig, und das wollen wir eigentlich verhindern.“

Sabine Ebert, Klassenlehrerin und stellvertretende Schulleiterin an der EMA, sorgte dafür, dass sich ihre Schüler mit den Wörtern beschäftigten. Sie kamen auf die NS-Zeit, darüber hätten die Kinder einiges Basiswissen gehabt, sagt die Lehrerin. Der entscheidende Augenblick sei gekommen, als alle Kinder, die in der NS-Zeit „aussortiert“ worden wären, den Kreis der Schüler verlassen mussten: „Das war der Moment, als diese sonst sehr lebhafte Klasse sehr still war“, sagt Ebert. „Bis auf drei mussten alle in eine Ecke gehen.“

Die Lehrerin schlug das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ vor, und die Kinder waren dabei. „Sie wollen es an dieser Schule etablieren, obwohl sie selbst nur noch ein paar Tage hier sind.“ Warum das so ist, erklärt Mara (10): „Es ist uns nicht egal. Wir wissen auch, wie es ist, beleidigt zu werden, und wollen nicht, dass andere das zu spüren kriegen.“

Jetzt stellen die Viertklässler das Vorhaben in den anderen Klassen vor. Und: „Wir sammeln Unterschriften dafür, dass es keinen Rassismus an unserer Schule gibt“, sagt Romy (10). Mindestens 70 Prozent aller, die an der EMA lehren, lernen und arbeiten, müssen unterschreiben, damit der Titel verliehen wird. Damit verpflichten sich alle, in der Schule gegen Diskriminierung vorzugehen. Hinzu kommt: „Einmal im Jahr wollen wir uns mit Rassismus beschäftigen“, sagt Julius (9). Geplant ist, dass die jeweiligen vierten Klassen einen Info-Tag für Erstklässler veranstalten.

Die 4a der EMA geht in wenigen Tagen auseinander. Doch ihre Initiative hat dazu geführt, dass der böse Streit Geschichte ist. „Alles wieder gut“, sagt Sofie (10). „Uns geht’s gut.“

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