Bodo Steckel: Auch die Queen benutzt seine Schalter

Bodo Steckels Schalter sind in vielen Traktoren zu finden, wie hier im Schaltpult.  Foto: Reimers (3)
Bodo Steckels Schalter sind in vielen Traktoren zu finden, wie hier im Schaltpult. Foto: Reimers (3)

Firma Pneutron-Müller aus der Blomeschen Wildnis stellt für Hersteller von Nutzfahrzeugen Teile her

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24. Oktober 2011, 07:14 Uhr

Blomesche Wildnis | Sie hat einen Schminkspiegel in ihrem Bentley: Queen Elisabeth II. Und wenn sie diesen benutzt, kann die englische Königin auf einen Schalter drücken, um Licht für den Spiegel zu bekommen. Diesen Schalter hat einst Bodo Steckel konstruiert. Der 64-Jährige arbeitet in der Firma Pneutron-Müller in der Blomeschen Wildnis.

Auch Landwirte benutzen Schalter, die Bodo Steckel konstruiert hat. Diese sind im Schaltpulten von Treckern, Mähdreschern, aber auch in Baukränen eingebaut. Einen Typ Schalter gibt es seit 1970, seit dieser Zeit arbeitet Steckel für Pneutron. "Mit dem Schalter habe ich angefangen und mit ihm höre ich auf", sagt Steckel.

Die Firma Pneutron-Müller ging hervor aus der Firma Pneutron, die 1958 von Prof. Wolfgang Priesemuth in Itzehoe gegründet wurde. Der Firmeninhaber galt als genialer Erfinder, als Mann der "1000 Patente". Bodo Selcke arbeitete bei ihm seit 1970 und machte Höhen und Tiefen mit. Denn 1998 wurde das Unternehmen an den Auto-Zulieferers TRW mit Hauptsitz in Michigan verkauft. "Die Konstruktion wurde damals nach Malaysia verlegt", sagt Steckel.

Er entschloss sich, in Deutschland zu bleiben und bekam neue Chefs. Jan Müller aus Kollmar, damals Fertigungsleiter im Unternehmen, machte sich 1998 mit Harald Jaki selbstständig. Sie kauften von TRW die Anteile für die Produktion von Fahrzeugteilen für die Bauwirtschaft und Landwirtschaft. Acht Pneutron-Mitarbeiter gingen mit in die Produktionsstätte ins Gewerbegebiet Blomesche Wildnis. Unter ihnen war Bodo Steckel.

Gerne blickt der 64-Jährige auf sein Berufsleben zurück. Bode Selke konstruierte einst für die gesamte deutsche Fahrzeugindustrie. "Außer für Mercedes." Zudem auch für ausländische Autofirmen. Ein Grund, warum die Firma TRW ihn auch später immer wieder anfragte und beschäftigte - im Einvernehmen mit der Firma Pneutron-Müller.

Und Steckel erzählt gern Geschichten aus seinem Berufsleben. Für den "Scorpio" stellte er eine Kabelverbindung her. Als der Autobauer Henry Ford jedoch in Italien in solch einem Auto saß und Musik hören wollte, klappte es nicht mit dem Schalter. "Vier Männer kamen eigens aus England, der Europazentrale, zum mir nach Deutschland, um bei mir nach dem Fehler zu fragen." Er half, diesen zu finden.

Stolz ist er auf seine Produkte. Er hat unter anderem die heizbare Heckscheibe beim Audi 80 konstruiert. Getestet wurden die Autos in Finnland "wegen der Kälte" und in Südafrika "wegen der Hitze". Gefertigte Teile brachte er persönlich zum Flugzeug. Darunter auch Türschalter für den Golf oder der Außenspiegel für den Passat. Gerne zeigt der Itzehoer auch, wie sich "das Audi-Klicken" an den Schaltern anhört. "Das wurde uns vorgegeben."

Bodo Steckel hat alle seine Produkte als Erinnerungsstücke aufbewahrt. Allerdings nur in einfacher Ausfertigung. Denn es kommt immer wieder vor, dass Oldtimer-Freunden bei Pneutron-Müller nach Ersatzteilen fragen. Deshalb muss sein Kollege Jörg Janson vom Einkauf Interessenten auch an das Internet vertrösten. "Ich verkaufe erst ab 50 Stücke."

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