Totschlags-Prozess : Bluttat in Büsum: Angeklagter gesteht Messerangriff nach Beleidigungen

Ein Flüchtling ersticht im Streit einen anderen Flüchtling. Vor Gericht wird sich entscheiden, ob der mutmaßliche Täter schuldfähig war.

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27. März 2018, 13:27 Uhr

Itzehoe/Büsum | Mit einem Geständnis des Angeklagten hat am Dienstag vor dem Landgericht Itzehoe ein Prozess um eine tödliche Messer-Attacke begonnen. Der 33-jährige Mann aus Somalia sagte, er habe im September vergangenen Jahres in Büsum im Kreis Dithmarschen einen 22 Jahre alten Landsmann mit einem Küchenmesser erstochen.

Vorausgegangen sei ein handfester Streit um angebliche Beleidigungen seines Zimmernachbarn, erklärte der Mann. Anfangs habe er sein Opfer mit der Waffe nur erschrecken wollen. Er habe ihn jedoch versehentlich mit einem Stich ernsthafter verletzt. „Er war ein schlechter Mensch“, sagte der Angeklagte. Seinetwegen sei er nicht als Flüchtling anerkannt worden. „Ich dachte, er stirbt sowieso.“ Und dann: „Da dachte ich, dann sollte ich das auch zu Ende bringen“, übersetzte ein Dolmetscher das Geständnis des Angeklagten. „Ich habe ihn erstochen.“

Hintergrund sei gewesen, dass sein Opfer ihn in den Monaten zuvor in der Öffentlichkeit immer wieder beleidigt und Witze über ihn gemacht habe. Auch vor einer Frau, die er heiraten wollte, soll ihn der 22-Jährige lächerlich gemacht haben. Letztlich sei er auch dafür verantwortlich, dass seine Arbeitskollegen – er arbeitete als Küchenhilfe in der Gastronomie – über ihn getuschelt hätten.

Selbst im Gefängnis höre er manchmal Stimmen und Lachen hinter seinem Rücken, antwortete er einer Sachverständigen. Der Angeklagte ist nach eigener Aussage seit mehreren Jahren wegen psychischer Probleme in Behandlung. Er werde auch in Deutschland in der Gefängniszelle mit Medikamenten behandelt. Die Anklagebörde wirft dem Mann Totschlag vor. Statt einer Gefängnisstrafe könne der auf vier Verhandlungstage anberaumte Prozess jedoch auch mit einer Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus enden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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