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Norddeutsche Rundschau

22. September 2017 | 11:50 Uhr

Blue Lake – „immer wieder großartig“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jugendsymphonieorchester aus den USA brilliert zum Abschluss des Besuches bei der KKS-Theatergruppe

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Das war ein besonderer Zufall – und für alle ein großes Erlebnis: Welchen besseren Tag als den amerikanischen Unabhängigkeitstag (Independence Day) hätte es geben können, damit das Internationale Jugendsymphonieorchester des Blue Lake Fine Arts Camp aus Michigan/USA seinen viertägigen Besuch in Itzehoe mit einem Abschlusskonzert krönt? So war das Theater fast ganz gefüllt, als die 67 jungen Musiker aus Übersee aufspielten. Sie unterhielten das Publikum unter der Leitung von Dirigent Brad Pfeil mit klassischen Werken von Peter Tschaikowsky zweieinhalb Stunden lang furios.

Bis dahin hatten die jungen Musikstudenten im Alter zwischen 16 und 21 Jahren bereits drei Tage bei Gastfamilien in und rund um Itzehoe verbracht. Als diese im Saal aufgefordert wurden, sich zu erheben, stand das halbe Theater auf.

Der seit 21 Jahren bereits ausgeführte Austausch ließ auch dieses Mal keine Wünsche bei den Gaststudenten offen. Diesen gefiel eine Menge an Norddeutschland, wie sie hervorhoben. So sagte Nancy Davis (28) aus Augusta/Georgia, im Orchester an der Pauke und als Betreuerin dabei: „Bei uns zu Hause ist es sehr heiß. Ich mag den nordischen frischen Wind.“ Und vor allem die „Countryside“, die ländliche Umgebung, hatte es ihr angetan. So fuhr sie mit ihren Gastgebern unter anderem nach Heide auf den Marktplatz sowie an die Nordsee.

Daniela Cruz (30, Violine), ursprünglich aus Brasilien, nun wohnhaft in Lansing/Michigan, war hingegen beeindruckt vom Drachenbootrennen in Glückstadt. Überrascht war sie auch vom Essen, weil Deutschland bekannt sei „für Eisbein, Kartoffeln und Würstchen. Aber ich habe in Glückstadt Fisch gegessen – der war sensationell.“ Und sie mochte das Itzehoer Theater. „Das hatte auf der ganzen Tour die beste Akustik.“

Mit seinen Gastgebern war Brently Bartlett (23, Oboe und jüngster der Betreuer) nach Hamburg gefahren und hatte dort die Elbphilharmonie besichtigt. „Für Musiker ist sie akustisch das Größte, überwältigend und spektakulär.“ In Itzehoe hat er sich „sieben Stunden lang“ die Stadt angesehen und war auch beim verkaufsoffenen Sonntag dabei. „Die Stadt ist groß und klein zugleich und damit sehr komfortabel.“ Auch vom Konzert war er begeistert: „Das war meine beste Performance bisher. Ich habe fast geweint.“ Sein Glück sei es gewesen, dass er in der Familie zu Gast war, die von Anfang an jedes Jahr Gäste aufgenommen hatte. „Es sind einige der freundlichsten Leute, die ich in meinem Leben getroffen habe.“

Das Wattwandern an der Nordsee genoss Casey Wilkes (26, Klarinette) aus Glen Burnie/Maryland. „Meine Gastgeber haben mir die Fahnen der einzelnen Bundesländer erklärt, und wir waren auch bei der Seehundaufzuchtstation.“ Sein Besuch am tiefsten Punkt Deutschlands erinnerte ihn an an New Orleans, das ähnlich tief liegt. In Hamburg, wo seine Gasteltern arbeiten, war er fasziniert vom Miniaturwunderland. „Das war spektakulär . Mit einer kleinen Elphi, die sich öffnete und in der kleine Musiker spielten – fast wie wir.“

Dirigent Brad Pfeil (44) sagte: „Unser Konzert war fantastisch, das Publikum dankbar. Das hat uns inspiriert weiterzumachen.“

Und ebenso angetan vom Besuch war Initiatorin Doris Brandt-Kühl, Leiterin der gastgebenden Theatergruppe der Kaiser-Karl-Schule: „Ich habe diesen Austausch schon zum elften Mal erlebt, und es ist immer wieder großartig“, sagte sie. „Es war ein wunderbares, fantastisches Konzert, bei dem ich Gänsehaus bekommen habe – neben Tränen und Herzklopfen.“

Der Austausch ist auf einen zweijährigen Rhythmus angelegt, und so solle es auch weitergehen, kündigte die inzwischen 68-Jährige an, die seit drei Jahren in Rente ist. „Wenn es die Gesundheit mitmacht.“

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