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Energiewende 4.0 : Blitzschneller Puffer fürs Stromnetz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbütteler Start-Up-Unternehmen Wind to Gas errichtet im Industriegebiet der Schleusenstadt ein Hochleistungs-Batteriespeicherkraftwerk.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Eine Million Handy-Akkus in Millisekunden aufladen beziehungsweise entladen – das kann das gestern vom Brunsbütteler Start-Up-Unternehmen ,,Wind to Gas“ im Industriepark Brunsbüttel-Süd aufgestellte Batteriespeicherkraftwerk. Das im Kern aus zwei containergroßen Lithium-Ionen-Akkus bestehende Kraftwerk hat eine Spitzenleistung von 2,5 Megawatt. Der Speicher kann binnen Millisekunden den Strom aufnehmen oder abgeben. Trafos und Wechselrichter bewerkstelligen dieses Kunststück.

,,Bei zum Beispiel dem Ausfall eines konventionellen Kraftwerkes kommt es kurzfristig zu Überlastungen im Netz, dann wackelt die Stromfrequenz. Genau dann schießt der Batteriespeicher den Strom in Millisekunden ins Netz ein und glättet so die Spitzen im Netz“, erläutert Geschäftsführer Tim Brandt (26) den Zweck der zwei Millionen Euro teuren Anlage. Das klappt natürlich auch umgekehrt. Ist zu viel Strom im Netz, kann die Anlage genau so schnell bis zu 2,5 Megawatt Strom blitzartig herausnehmen und speichern.

Netzbetreiber wie Tennet benötigen diese spezielle Dienstleistung für einen stabilen Stromfluss im Netz. Deshalb arbeitet Wind to Gas für die Tennet. Der Preis der Dienstleistung wird dabei durch eine wöchentliche Ausschreibung, orientiert an Angebot und Nachfrage, bestimmt. Kommende Woche soll das Batteriespeicherkraftwerk ans Netz gehen.

,,Das Ganze ist zugleich ein Forschungsprojekt, gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium. Es ist Teil der Norddeutschen Energiewende 4.0“, erläutert Brandt, der seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2015 dabei ist. Ein weiterer Projektpartner ist das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie aus Itzehoe. Gemeinsam mit dem Isit werden alternative Betriebskonzepte erforscht, wie zum Beispiel die so genannte Blindleistungserbringung. Blindleistung beeinträchtigt die Frequenz im Netz und ist insbesondere auch ein Problem der erneuerbaren Energien, wo schon Windböen das Netz gewissermaßen wackeln lassen können. Auch hier käme das Batteriespeicherkraftwerk mit seiner Fähigkeit zur blitzartigen Stromaufnahme beziehungsweise -abgabe als Netzregulator zum Zuge. Das Batteriespeicherkraftwerk ist angeschlossen an das Netz der Stadt Brunsbüttel, deren Stadtwerke mit der Wind to Gas in enger Zusammenarbeit stehen.

Das junge Unternehmen hat als Förderer auch des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf seiner Seite. Im Zuge der Norddeutschen Energiewende ist auch  geplant,  überschüssigen Windstrom in Wasserstoff umzuwandeln. Das Gas ließe sich dann, versetzt mit Methan, als Erdgas nutzen. Abnehmer wären Haushalte und Industrie.
 

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