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KUnst-Sensation : Blick in die Farbwelt der 20er-Jahre

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In der Hablik-Villa wurde ein bedeutendes farbiges Raumkunstwerk restauriert. Am Tag des Denkmals ist es zu besichtigen. Vertreter der Hablik-Stiftung begeistert.

Knallrot steht neben Grasgrün, sattes Blau trifft auf sanftes Rosa, Gelb und Orange harmonieren mit Brauntönen: Wer in das Esszimmer der Hablik-Villa in der Talstraße tritt, erlebt einen wahren Farbrausch. Wände und Decke des Zimmers sind bedeckt mit bunten geometrischen Formen. 1923 hat der Künstler Wenzel Hablik die Malerei angebracht – im Sommer, kurz nach der Geburt seiner zweiten Tochter.

Bunte Raumgestaltung lag damals im Trend. „Es war eine farbbegeisterte Zeit“, sagt Albrecht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege. Doch das Allermeiste sei im Lauf der Jahre verloren gegangen. Auch Habliks Werk lag lange im Verborgenen, nachdem der Künstler selbst es 1933 überdeckt hatte. Nur alte Schwarz-Weiß-Fotografien existierten noch.

Vier Monate lang haben Diplom-Restaurator Gerold Ahrends und sein Team die Wand- und Deckenmalerei aus ölhaltigen Farbschichten wieder freigelegt. „Es war wie Malen auf Leinwand, nur dass das Gemälde schon darunter war“, erklärt Ahrends. Mehrere Schichten mussten entfernt werden, bis die kleine Sensation perfekt war: 95 Prozent des Originals waren erhalten. Der Bestand wurde konserviert und vervollständigt.

Ein Nachbau von Habliks Vitrinenschrank, gefüllt mit Büchern, Muscheln, Versteinerungen aus seinem Nachlass, sowie der Schreibtisch des Künstlers als Leihgabe des Hablik-Museums, nachgewebte Stoffe und originalgetreue Leuchten vervollständigen den Eindruck von der Wohnsituation zu Habliks Zeiten. Die Lampen wurden vom Enkel des damaligen Herstellers, Klempnermeister Max Lohse, nach dem erhaltenen Original bis ins Detail nachgebaut.

„Der Raum ist ein Fenster in die damalige Zeit“, sagt der Eigentümer des Hauses, der es von Habliks Enkel Bendix Klingeberg gekauft hat und namentlich nicht genannt werden möchte. „Es zeigt einen Hauch von dem, wie die Familie damals gelebt hat.“ Der Itzehoer hat bereits von 1977 bis 1981 als Mieter bei Susanne Klingeberg im Souterrain gewohnt, Habliks Werk liegt ihm am Herzen, so öffnet er sein Haus auch zu mehreren Besichtigungsterminen. Ein Glücksfall für die Denkmalpflege und die Hablik-Stiftung. Denn nachdem sich die Stadt nicht zum Kauf der Villa durchringen konnte, drohte der künstlerische Schatz verloren zu gehen.

„Das ist eine große Tat des Eigentümers, die riesengroßen Respekt verdient“, betont Stiftungsvorsitzender Harald Brommer. Der Hausherr beteilige sich nicht nur ideell, sondern auch materiell am Erhalt. Die Enttäuschung, dass die Stadt das Haus nicht kaufte, sitzt bei Brommer aber noch tief. „In diesem Raum können wir erkennen, dass es ein im ganzen Norden einmaliges Gebäude ist“, sagt er. „Ich wünschte, die Ratsversammlung schaute es sich einmal an und reflektierte, ob die Entscheidung richtig war.“


> Besichtigungszeiten: Sonnabend, 7. September, 14 - 17 Uhr; Sonntag, 8. September, 27. Oktober, 8. Dezember, jeweils 10 - 12 und 14 - 17 Uhr.

 

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erstellt am 29.Aug.2013 | 05:00 Uhr

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