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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 07:27 Uhr

Blasberg: Container unverzichtbar

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wohnraum für Flüchtlinge wird knapp / Stadtverwaltung hält an dezentraler Unterbringung fest

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2015 | 18:44 Uhr

Steigende Flüchtlingszahlen treiben Bürgermeister Gerhard Blasberg die Sorgenfalten auf die Stirn: Denn allmählich wird Wohnraum knapp. Container sind daher für den Glückstädter Verwaltungschef kein Tabu mehr. Das ins Gespräch gebrachte Torhaus der ehemaligen Marinekaserne gilt vorerst aber noch nicht als große Lösung, sondern lediglich als eine mögliche Option.

Derzeit sind in Glückstadt 130 Flüchtlinge untergebracht. Bis Jahresende erwarten Blasberg und die in der Stadtverwaltung für das Ressort Soziales zuständige Angelika Tesch mit weiteren 70 Flüchtlingen. Mindestens, denn der aktuelle Kenntnisstand könne sich schnell ändern, betont der Bürgermeister. So sieht er die für 2016 erwartete Zahl von 120 Flüchtlingen, die neu nach Glückstadt kommen sollen, auch nur unter Vorbehalt. Zu viel sei gegenwärtig im Fluss, wie viele Menschen vor allem aus Syrien nach Europa drängen werden, sei schwer zu erahnen.

Schon jetzt sind in Glückstadt auch Menschen untergebracht, die als Flüchtlinge eigentlich den Nachbargemeinden zugewiesen wurden. Es werden in Zukunft noch mehr werden, weiß Blasberg: „Der ländliche Raum hat keinen sozialen Wohnungsbau. Wir sind uns im Klaren, dass die Städte das machen müssen.“ Dies auch aus strukturellen Gründen. In der Stadt sind nicht nur Behörden, Schulen und Kitas, sondern auch Ärzte. Daher sagt Blasberg: „Eine Familie mit kleinen Kindern in Gehlensiel unterzubringen, wäre falsch.“ Hinzu kommt, der Wohnraum müsse zwar akzeptabel, aber auch bezahlbar sein. In Horst etwa sei angesichts der dortigen Mieten das Ende der Fahnenstange erreicht.

Blasberg und Tesch wollen daher noch stärker die Vermieter in Glückstadt ins Boot holen. Noch gelinge es zwar, die neu zugewiesenen Flüchtlinge unter zu bringen, weil irgendwie immer gerade noch rechtzeitig Wohnungen angeboten werden. Aber die Verwaltung möchte lieber einen Angebotspool haben, auf den sie bei Bedarf zugreifen kann. Gerade in Glückstadt-Nord gebe es viele Leerstände. Darauf richtet der Bürgermeister sein Augenmerk.

Dennoch betont Angelika Tesch: „Unser Ziel ist es, die Leute dezentral unterzubringen.“ Das erleichtere die Integration, schaffe eine größere Akzeptanz bei den Nachbarn. Zudem werde versucht zu steuern, so dass Nationalitäten „sortiert“ werden. Ein Schritt, möglichen Konflikten vorzubeugen.

Noch gibt es vom Kreis keine Zwangszuweisungen, weil die Flüchtlinge in ganz Steinburg gut verteilt werden können. Blasberg zeigt sich hier aber entgegenkommend, sagt: „Wenn es passt, nehmen wir auch mal ein paar mehr.“

Container gelten als nicht ideale Lösung, werden aber kommen. 15 Stück sind bei einem Investor bestellt, sie werden von der Stadt angemietet. Angelika Tesch betont, dass nicht mehr als zwei Personen in einen Container ziehen sollen. Sie betont aber, dass es sich dabei um komplette Wohnungen inklusive Sanitärbereich handele. Wichtig ist ihr, dass dies keine Dauerquartiere sein sollen. „Wir sehen zu, dass wir die Leute schnell in Wohnungen unterbringen können.“ Schwierig sei das bei Einzelpersonen, für die sei Wohnraum äußerst knapp. Gerhard Blasberg ahnt aber eine Entwicklung voraus: „In zwölf Monaten werden am Rande jedes Dorfes eine Containersiedlung haben.“

Das von Eigentümer Jens Lange ins Gespräch gebrachte Torhaus der Kaserne ist für Blasberg derzeit kein Thema. Allerdings betont er: „Ich habe mit Herrn Lange vor sechs Wochen gesprochen. Da sah die Welt anders aus als heute.“ Das Torhaus sei ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Grundsätzliches Interesse habe die Stadt, aber nur „zu vernünftigen Konditionen“. Jens Lange betonte auf Nachfrage, weiter gesprächsbereit zu sein.

Froh ist der Bürgermeister, dass bislang Geschäftemacherei bei den angebotenen Wohnungen kein Thema sei. Es gehe der Stadt schließlich auch nicht darum, die Flüchtlinge um jeden Preis irgendwo einzuquartieren. „Es müsse würdig sein, die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Die stimmen in Glückstadt offenbar auch bei der Integration. Es gebe großes ehrenamtliches Engagement. Zudem habe die Stadt unter ihren 11500 Einwohnern schon lange einen hohen Ausländeranteil. Dass jetzt noch 130 Flüchtlinge dazu gehören, falle im Stadtbild nicht auf.

>Kontakt für Vermieter: Angelika Tesch, 04124/930322.

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