Festveranstaltung : Bittersüßer Abschied für Mr. Itzehoer

Blumen für die Ehefrau: Wolfgang und Brigitte Bitter haben jetzt mehr Zeit für Reisen.
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Blumen für die Ehefrau: Wolfgang und Brigitte Bitter haben jetzt mehr Zeit für Reisen.

Wolfgang Bitter, bis Ende 2014 Vorstandsvorsitzender der Itzehoer Versicherungen, wird im Theater von mehr als 200 Gästen gewürdigt.

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17. Januar 2015, 08:00 Uhr

Nach Itzehoe ziehen? „Papa, das kannst du vergessen!“ Gut, dass Wolfgang Bitter nach diesem trüben Herbsttag vor mehr als 20 Jahren nicht auf Sohn Sascha, damals neun, gehört hat. Die Unternehmensgeschichte der Itzehoer Versicherungen wäre anders verlaufen. Gestern ist der bald 66-Jährige mit einer mehrstündigen Festveranstaltung im Theater Itzehoe in den Ruhestand verabschiedet worden.

Grüne Teppiche vor dem Theatereingang, edles Ambiente mit 30 Tischen im Saal, geschmückt mit einen Meter hohen Kerzenhaltern, eine Licht-Show in Grün. „Ein Abschied so zart.... und doch so Bitter“ lautete das Motto, zum Auftakt erklang „Bitter Sweet Symphony“ von „The Verve“. Petra Passig von Radio Nora moderierte, mehr als 200 Gäste aus ganz Deutschland waren gekommen, an ihrer Spitze Ministerpräsident Torsten Albig und sein Vorgänger Peter Harry Carstensen. Aus Rom eingeflogen: das Trio Appassionante.

Vor ihrem Konzert mit Pop und Klassik und dem Mittagessen stand der offizielle Teil – und er brachte viel Lob „an der Grenze dessen, was ein Mensch ertragen kann“, wie Bitter sagte. Mit dem persönlichsten Beitrag verabschiedete Itzehoer-Vorstand Frank Thomsen seinen „Chef und Mentor“: Voller Vertrauen habe er ihn mit 28 Jahren zu einem der Bezirksdirektoren gemacht, als Bitter bald nach Amtsantritt diese neue Struktur einführte. Entspannt sei er geblieben, als der Dienstwagen nach einem Tag bei einem Wildunfall zerlegt war. Souverän habe Bitter reagiert, als er, Thomsen, die Itzehoer verließ. Und wieder mit Vertrauen habe er ihn 2006 in den Vorstand geholt, sagte Thomsen dankbar. „Nähe mit Distanz“ sei Bitters Weg – er hoffe, dass der Ex-Chef nicht in neuer Rolle als Aufsichtsrat auf Distanz umschalte.

Ein gutes Verhältnis zu Mitarbeitern, nur so funktioniere Erfolg im Dienstleistungsgewerbe, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Fred Hagedorn. In 21 Jahren, davon 20 als Vorstandsvorsitzender, habe Bitter mit unermüdlichem Einsatz aus einem Regionalversicherer ein bundesweit tätiges, gutes, gesundes und sehr soziales Unternehmen gemacht. Eine kontinuierliche Entwicklung nach oben auch unter schwierigen Bedingungen, Kennzahlen wie Prämienaufkommen oder Eigenkapital vervielfacht – „was für ein Erfolg in diesen Zeiten“, sagte Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft, der auf Bitters Engagement in vielen Gremien hinwies.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende habe die Itzehoer zu einer Branchengröße aufgebaut, „eine großartige Bilanz“, sagte Ministerpräsident Albig. „Solche Unternehmen wie das Ihrige schmücken unser Land.“ Die regionale Verwurzelung hob er hervor, ebenso das Engagement für die Kultur. Zentrale Bedeutung hätten die Nähe zum Kunden und das Vertrauen.

Makler und Direktvertrieb kamen in Bitters Ära hinzu, aber die Stärke blieben die Vertrauensleute, betonte sein Nachfolger Uwe Ludka. Als deren Vertreter lobten Delf Bolten und Helmut Kuhlmann Bitter als „Vorstandsvorsitzenden zum Anfassen“ und drehten den Spieß um: Überreichte sonst er die Ehrungen, so bekam der 65-Jährige nun selbst eine Urkunde und eine eigens entworfene Ehrennadel. Vieles sei entwickelt, aber nicht alles mitgemacht worden, sagte Stefan Schwalbach für die leitenden Mitarbeiter. So hätten die Itzehoer kein Callcenter: „Unsere Vertrauensleute und unsere Makler lieben uns dafür.“

Er habe seinen Traumberuf leben können, sagte Bitter und dankte vielen, namentlich seiner Sekretärin Tatjana Soltau und seiner Frau Brigitte. Nach Rekordergebnissen fast jährlich geht er zufrieden, aber längst nicht ganz: „Einmal grünes Blut, immer grünes Blut.“

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