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Beratung : Bittere Tränen – aber auch Hoffnung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit mehr als 20 Jahren berät Pro Familia in Itzehoe bei Beziehungsproblemen sowie Schwierigkeiten mit Sexualität oder Schwangerschaft

Die Box mit den Taschentüchern steht nicht als Dekoration in dem Fach unter dem niedrigen Tisch. „Es wird auch geweint“, sagt Katrin Ufen. Allerdings seien es nicht immer bittere Tränen, auch Erleichterung und Hoffnung lassen die Tränen kullern. Kein Wunder, bei den Themen, die sich Ufen und ihre vier Kollegen anhören. Zu Pro Familia am Berliner Platz in Itzehoe kommen Menschen mit Problemen, Menschen, die Hilfe suchen. Dabei geht es im allgemeinen um Beziehung, Sexualität und Schwangerschaft. „Wir geben aber keine Erziehungstipps“, stellt die Leiterin der Itzehoer Pro-Familia-Beratungsstelle klar. Dafür gebe es andere Stellen. Wer allerdings Beziehungsprobleme oder Schwierigkeiten mit Sexualität oder Schwangerschaft habe, sei bei Pro Familia richtig.

Nach wie vor nimmt die Beratung nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz – also die Informationen rund um Aufklärung, Verhütung, Familienplanung, aber auch den Schwangerschaftsabbruch – einen wichtigen Teil der Arbeit ein. Aber Pro Familia bietet mehr – und den Großteil kostenfrei. „Eigentlich sind wir zwei Beratungsstellen. Seit 2012 sind wir auch Fachstelle Gewalt und Frauenberatung“, erklärt Katrin Ufen. Und gerade Gewalt könne sehr vielfältig sein. „Es muss nicht immer körperlich sein und Blut fließen. Vielfach läuft die Gewalt in einer Partnerschaft psychisch und langwierig ab – das ist oft viel schlimmer.“

Gerade in solchen Fällen sind kurzfristige Termine und eine schnelle Betreuung wichtig. Auch bei der Beratung zu möglichen Schwangerschaftsabbrüchen ist Eile geboten. Bei einer Paarberatung muss aber durchaus schon mal Wartezeit eingeplant werden. Und im Gegensatz zu den anderen Beratungen müssen die Paare einen Teil der Kosten selbst tragen. Bei den Problemen in der Partnerschaft gibt es allerdings nach Meinung von Ufen noch Aufklärungsbedarf. „Bei allen Problemen holt man sich beim Experten Hilfe, mit dem Auto fährt man in die Fachwerkstatt, aber bei Schwierigkeiten in der Partnerschaft besteht immer noch eine große Hemmschwelle.“

Die Kenntnisse der Mitarbeiter sind umfangreich – ebenso wie die Probleme der Ratsuchenden. Da geht es manches Mal um die sexuelle Orientierung und Identität, von der Homosexualität bis zu Fetischberatung. Ein anderes Mal sind Informationen rund um Schwangerschaft, Elternzeit und Erziehungsgeld gefragt. Die ausgebildeten Pro-Familia-Mitarbeiter bieten zudem psychosoziale Betreuung während der Schwangerschaft, die Begleitung beim so genannten Baby-Blues nach der Geburt, aber auch Hilfe nach einer Totgeburt oder dem plötzlichen Kindstod an.

Ein wichtiges Gebiet ist auch die Aufklärungsarbeit. Die ausgebildeten Sexualpädagogen gehen dafür an Kindergärten und zum Großteil in die Schulen im Kreisgebiet. Nach einer Vorstellung und einer grundsätzlichen Einführung werden die Gruppen dann nach Geschlechtern getrennt. „Sonst wäre vernünftige Sexualaufklärung gar nicht möglich“, sagt die Pro-Familia-Leiterin. Nur in den Geschlechtergruppen könne offen gesprochen werden.

Aufklärung werde aber nicht nur bei den Kindern und Jugendlichen geleistet, sondern auch bei deren Betreuern und Bezugspersonen – und das trage inzwischen Früchte, sagt Katrin Ufen. Die Pädagogen würden gerade sexuellen Missbrauch besser erkennen. „Früher wurden wir häufiger informiert. Heute sind es weniger, aber schwerere Fälle.“

Finanziert wird die Arbeit der Pro-Familia-Beratungsstelle zum Großteil aus Fördergeldern. Rund 75 Prozent kamen 2014 über die kommunale Förderung zusammen. „Ein Viertel haben wir durch Spenden einwerben können.“ Der Kreis Steinburg war in den vergangenen Jahren oft mit einem Zuschuss von 2500 Euro dabei, dieser wurde jetzt erstmals auf 5000 Euro erhöht. „Das hat uns sehr gefreut. Es geht in erster Linie um den Symbolcharakter und zeigt, dass unsere Arbeit gewollt und anerkannt ist“, sagt Katrin Ufen. Seit 1994 gibt es die Anlaufstelle von Pro Familia in Itzehoe. Vielen Menschen konnte in dieser Zeit geholfen werden. Allein 2015 wurden 1221 Personen beraten. Und oft konnte dabei auch auf Taschentücher verzichtet werden.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 04:45 Uhr

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