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facebook : „Bist du Christine?“– Facebook-Gruppe trifft sich ‚offline‘

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Facebookgruppe „Moin Moin Glückstadt“ trifft sich in Gaststätte

Wer ins Restaurant Raumann einkehrte, gehört zu einer fast 300-köpfigen Familie. Nicht der Stammbaum hält sie zusammen, sondern Facebook. Genauer gesagt die Facebookgruppe „Moin Moin Glückstadt“. Acht Prozent der virtuellen Angehörigen, in absoluten Zahlen 23 Gäste, nahmen am besagten Abend an der gedeckten Tafel Platz, aßen, tranken, lachten, hatten Spaß und feierten so das Neujahrsfest.

„Neujahrsfest“ – ein ulkiger Name Ende Februar, könnten Außenstehende meinen. Aber bei „Moin Moin Glückstadt“ sieht man die Dinge ohnehin etwas gelassener als anderswo – offline und online: „Zunächst einmal gehen die Mitglieder unserer Facebookgruppe wertschätzend miteinander um“, erklärt „Familienoberhaupt“ Christine Bunge die wesentlichste Gruppenregel und fügt hinzu: „Das ist bei Facebook nicht selbstverständlich.“


Wieso Moin Moin Glückstadt?


Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Christine Bunge als Mitglied in einer großen Glückstadt-Gruppe mit damals über 2000 Mitgliedern sprichwörtlich die Nase voll. Sie wollte sich nicht länger ärgern und beschloss eine eigene Gruppe zu gründen. Die Idee von „Moin Moin Glückstadt“ war geboren.

Als „Familienoberhaupt“ hat Gruppengründerin Bunge heute sehr genaue Vorstellungen, was sich gehört und in die Gruppe passt und was nicht. Der Anspruch besteht darin, dass sich die Mitglieder miteinander vernetzen. Sie sollen sich persönlich kennen lernen. Das sei sehr wichtig für den Fortbestand der virtuellen Versammlung. Die Leute können private Fotos teilen, von Tieren oder dem letzten Urlaub oder sich gegenseitig vor Blitzern warnen. Oder vielleicht auch auf den nächsten Flohmarkt hinweisen. Themen gibt es zur Genüge. Einige Tabus aber auch. „Bilder toter Tiere oder verletzter Menschen und Gewaltverherrlichung passen nicht zu uns und sind unzulässig“ sagt Christine Bunge.


Wer darf rein in die Gruppe?


Die private Atmosphäre soll bestehen bleiben. Deswegen haben sich die Administratoren, dazu gehören auch Michael Di Leone und Manuela Lietz, darauf verständigt, die Mitgliederzahl auf 300 zu begrenzen. Jeder potentielle Neuzugang muss einen Antrag stellen, um in die geschlossene Gruppe aufgenommen zu werden und muss dabei Angaben zur eigenen Person und Interessenslage machen. Dann stimmt das Admin-Trio ab. Langsam wird es eng. Denn wenn die letzten 13 Plätze belegt sind und damit die 300 Mitglieder erreicht, wird in der Gruppe ausgesiebt, um neue Plätze freizugeben und aktiven Mitgliedern den Eintritt zu gewähren. Mitglieder, die nur mitlesen wollen und sich nicht selbst an Gesprächen beteiligen, seien bei Moin Moin Glückstadt ungern gesehen, sagt Bunge.


Online-Kontakte werden real


Was es bedeutet, über das Internet eng miteinander verbunden zu sein und zudem noch in der gleichen Stadt zu wohnen, diese Erfahrung hat der 67-jährige Hans-Jürgen Cobau gemacht. Im vergangenen Sommer lief er durch die Stadt. An einer Eisdiele meinte er, dort jemanden erkannt zu haben.

Der Facebook–Senior holte sein Smartphone aus der Tasche, verglich die Person mit dem Profilfoto auf seinem Handy und sprach die Frau an: „Bist du Christine?“, fragte er. Die verwunderte Gruppenchefin bejahte die Frage und amüsiert sich noch heute über den Erstkontakt außerhalb des Internets. Solche Geschichten seien keine Seltenheit.

Manchmal werden auch Themen, die im Netz kursieren, aufgegriffen und offline verarbeitet. Eines Tages machte ein Bild mit einer gehäkelten Unterhose online die Runde. Einer Schneiderin gefiel das Motiv so gut, dass sie einen String-Tanga häkelte und diesen zum Sommerfest der Gruppe im August mitbrachte. Ein Mitglied ließ es sich nicht nehmen, das selbst gemachte Kleidungsstück auch gleich anzuprobieren.

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