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Start-ups in Itzehoe : „Bist du aktiv, hast du Kunden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Simone Kaiser ist seit mehr als zwei Jahren Alleinunternehmerin – und glücklich damit.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 05:00 Uhr

In loser Folge stellen wir junge Unternehmen mit innovativen Ideen vor. Heute: „Queenmum PR“. Keinen einzigen Tag habe sie ihre Entscheidung bislang bereut, sagt Simone Kaiser. Sie liebe es zu tun, was sie wolle, und nicht jeden Tag um die gleiche Uhrzeit zu arbeiten. Zwei Jahre sind mittlerweile vergangen, in denen die 47-Jährige als Selbstständige unter dem Namen „QueenmumPR“ ihr Geld verdient hat – und das, obwohl sie in ihrem früheren Job bei einem Windkraftunternehmen durchaus eine „tolle Zeit“ hatte.

Den Schritt in die Selbstständigkeit und damit zu ihrem eigenen kleinen Start-up machte Kaiser 2014. Zuvor war sie sieben Jahre bei der Windkraftfirma Repower angestellt. Sehr viel habe sie dort gelernt, „es herrschte damals Goldgräberstimmung in der Branche“. Kaiser leitete das Kundencenter in Brunsbüttel. Paradoxerweise nutzte dieses auch Räume des Atomkraftwerks. „Es kam vor, dass ich neben einem Modell von Brennstäben Vorträge über Windkraft hielt“, sagt die PR-Beraterin. Doch nach dem Aufkauf des Unternehmens ging es bergab. „Ich war irgendwann nur noch mit Krisenmanagement beschäftigt. Das hat zwar gut trainiert, war aber nicht das, was ich wollte.“

Kaiser verließ das Unternehmen, sie genoss ein paar Monate Freiheit und entschied sich für die Selbstständigkeit. „Ich wollte arbeiten, wo ich will“, sagt sie. In der freien Zeit las sie Literatur über die Selbstständigkeit, besprach das Thema mit Freunden und belegte im Meldorfer Centrum für Angewandte Technologien (CAT) Seminare. Dozenten aus der Praxis bereiten die Gründer dort auf die Selbstständigkeit vor, beispielsweise wird ein Geschäftskonzept erstellt. „Dabei kommt man immer wieder auf neue Fragestellungen, die man sonst wohl nicht bedacht hätte. Das Konzept ist letztlich die Basis der Gründung und wie eine Art Fahrplan“, sagt Projektmanagerin Stefanie Hein. Eine Existenzgründung sei wie ein Puzzle. Bei Kaiser hätten Motivation und Idee gestimmt. „Letztlich zeigen auch Studien, dass gut vorbereitete Gründer seltener scheitern“, sagt Hein. Grundlagen wie Buchhaltung waren bei Kaiser durch ein Betriebswirtschafts- und Marketing-Studium vorhanden.

Wichtig in Kaisers Beruf sind Kontakte. Viele konnte sie aus ihrem vorherigen Job mitnehmen, Pressemitteilungen für Windkraftunternehmen schreibt sie heute noch. „Niemals ohne Netzwerk gründen“, empfiehlt sie. Anfangs ließ Kaiser eine Webseite für „QueenmumPR“ erstellen, merkte aber schnell, dass sie überhaupt keine benötigt. Ihr Geschäft läuft über direkte Kommunikation. Ganz wichtig sei zudem Aktivität, das heißt, Veranstaltungen von Unternehmen oder Organisationen besuchen. Denn:„Bist du aktiv, hast du Kunden. Bist du nicht aktiv, hast du keine.“

Im Herbst besuchte sie die „Entrepreneurship-Summit“-Messe in Berlin – eine Art Klassentreffen für Gründer. „Die Motivation der Menschen dort ist faszinierend“, sagt Kaiser. Leiter des Treffens ist Günter Faltin, ein Pionier im Bereich Gründungen, der für seine Arbeit den Bundes-Verdienstorden erhielt. Der Marketing-Experte ist überzeugt, dass Gründer lediglich ein gutes Produkt brauchen und eine Person wie ein Unternehmen funktionieren könne. Kaiser ist ein Eine-Person-Unternehmen. Aber wie arbeitet man alleine wie ein Unternehmen? Mit Hilfe des Internets.

Kaiser ist begeistert davon. „Es gibt für alles digitale Lösungen“, sagt sie. Im Internet könne man für ein paar Stunden mit fremdsprachigen Sekretärinnen zusammenarbeiten, es gebe Buchhaltungsassistenten oder Informatiker, die Webseiten gestalten. Aber sie sieht auch Nachteile als Alleinunternehmerin. Gern würde sie bei der Arbeit mal jemanden in der Teeküche treffen. Angestellte kommen für die Itzehoerin noch nicht in Frage. Auch dafür gibt es eine moderne Lösung: Büroplätze zum Mieten, wo Menschen verschiedener Berufe arbeiten. Das wünscht sich Kaiser auch für Itzehoe. „Ich weiß, dass es hier viele Freiberufler gibt“, sagt sie. Einige davon trifft sie bereits.

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