zur Navigation springen

Personennahverkehr : Bis zu 900 Sitzplätze – und Steckdosen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Logistik-Forum in Itzehoe: Was sich auf den Bahnstrecken nach Hamburg alles ändern soll – und was noch auf der Wunschliste steht.

Weil die Einwohnerzahlen in Steinburg und Dithmarschen zum Teil stark rückläufig sind, müsste der Öffentliche Personennahverkehr noch stärker ausgebaut werden. Für Burkhard Schulze, Chef-Verkehrswirt bei der Landesverkehrsgesellschaft (LVS), ist das kein Widerspruch. Tatsächlich gehe insbesondere die Zahl der Schüler und Jugendlichen zurück. Weil sich Schulen und Ausbildungsstellen aber immer mehr konzentrierten, steige der trotzdem Beförderungsbedarf. Laut einer Studie werde bis 2025 mit Zuwächsen bei den Fahrgästen von 16 Prozent gerechnet. Auf einem Logistik-Forum der nördlichen Metropolregion im Itzehoer „Prinzeßhof“ zeigte Schulze auf, wie insbesondere der Schienenverkehr der Zukunft aussehen soll.

Die Ausgangslage: Landesweit wuchs zwischen 1996 und 2012 die Zahl der Zugkilometer um 25 Prozent und die Zahl der so genannten Personenkilometer um 35 Prozent. Dazu gab es 25 neue Haltestellen. Beste Aussichten hat aus LVS-Sicht auch die Westküste. Hier komme ab Dezember die Nordbahn zum Einsatz – „mit modernen Fahrzeugen statt der rot angemalten Silberlinge der Deutschen Bahn“. Gleichzeitig werde ein Grundtakt eingeführt, der nicht mehr wie bisher in Altona ende, sondern bis zum Hamburger Hauptbahnhof führe. Und: Die Fahrzeiten veringerten sich um zwei bis drei Minuten.“ Die neuen Züge hätten bis zu 900 Sitzplätze – im Gegensatz zu 400 bis 500 bisher.

Mit den Ankündigungen versuchte Schulze vor allem den Glückstädtern die Neuerungen schmackhaft zu machen. Hier fallen einzelne Verbindungen künftig nämlich weg. Glückstadts Piraten-Kreistagsabgeordneter Dr. Siegfried Hansen meinte zwar anerkennend, dass die jetzigen „Schrottzüge“ verschwänden. Gleichwohl forderte er für die vielen Pendler den Halb-Stunden-Takt in die Metropole.

Schulze konterte mit stündlichen Verbindungen nach Hamburg und zusätzlichen Verstärkerzügen im Berufsverkehr. Der Brunsbütteler SPD-Ratsherr Wilhelm Malerius warf ein: „Die jammern auf einem hohen Niveau.“ In der Industriestadt wäre man tatsächlich schon über eine Bahn-Haltestelle glücklich. Den dringenden Bedarf für eine Anbindung des Brunsbütteler Industriegebietes ans öffentliche Verkehrsnetz unterstrich auch Christian Rüsen von der Heider Kreisverwaltung. Ein Problem ist die Finanzierung: Der Löwenanteil der Verbindung liege auf Steinburger Gebiet, während die Dithmarscher das größte Interesse hätten. Als mögliche Option ist eine Schnellbus-Verbindung nach Brunsbüttel auf der Agenda. Die müsste allerdings offiziell als Schienenersatzverkehr ausgewiesen werden, um über die LVS bezahlt werden zu können. Schulze nahm das Anliegen nach Kiel mit.

Deutlich bessere Aussichten auf einen Bahnanschluss haben die Kellinghusener. Zwar läge ein neuer Bahnhof nur zwei Kilometer von der nächsten Haltestelle (Wrist) entfernt. Weil die Züge hier aber ohnehin wenden müssen, könnte man vergleichsweise kostenneutral eine neue Trasse nach Kellinghusen legen und die Wendezeit mit nutzen. Aktueller Investitionsaufwand: sieben Millionen Euro und jährlich 200 000 Euro Betriebskosten. Kalkuliert wird mit 300 Fahrgästen. „Letztlich entscheidet die Politik, ob wir das Geld dafür haben“, so Schulze, dessen LVS das Projekt nach wie vor unterstütze.

Verbesserungen soll in jedem Fall die laufende Ausschreibung für das Netz an der Westküste bringen. Schulze listete unter anderem Monitore in den Zügen mit Echtzeit-Infos, WLan-Anschlüsse und Steckdosen in der 2. Klasse und mehr Barrierefreiheit auf. Zum Teil allerdings mit der Einschränkung: „Wenn es finanzierbar ist“. Sprinterzüge für Sylturlauber, zusätzliche Halte in Wilster sowie drei bis vier weitere Regionalbahn-Stopps in Glück stadt stehen ebenso wie der Brunsbütteler Schnellbus auf der Wunschliste. Was davon am Ende übrig bleibt, ist offen. „Wir hoffen auf eine Entscheidung Mitte 2015.“ Dann wird auch klar sein, ob die ebenfalls auf der Optionsliste stehen Wacken-Haltestelle in Vaale realistische Chancen hat.

Bleibt noch die Elektrifizierung der Westküstenbahn, die derzeit in Itzehoe endet. Für Burkhard Schulze ist das „ein Unikum, wie man es sonst eigentlich nur noch aus Bayern kennt“. Erklärtes Ziel ist die Elektrifizierung zumindest in einem Teilabschnitt bis Heide. Dann müssten die Lokomotiven nicht mehr in Itzehoe, sondern erst in der Dithmarscher Kreisstadt umgespannt werden. Eventuell könnten die Kosten dafür durch Einsparungen zum Beispiel beim Dieselverbrauch wieder hereingeholt werden. Das soll nun ein Gutachten aufzeigen. In jedem Fall sei die weitere Elektrifizierung aber „Zukunftsmusik“. „Das wird noch lange dauern.“

zur Startseite

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen