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Rückblick : Bis 1959: Romantik zwischen Rathaus und Holzkamp

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rückblick auf 525 Jahre Itzehoer Jahrmarkt. Erst 1959 zogen die Buden und Fahrgeschäfte an den heutigen Standort auf den Malzmüllerwiesen.

Eine Mischung aus Spaß und Nervenkitzel, Leckereien und Geselligkeit – das der Itzehoer Jahrmarkt. Seit 525 Jahren ist er eine feste Größe. Alles begann im Jahr 1489, als König Johann die Abhaltung von fünf Jahrmärkten pro Jahr genehmigte: „Vier im Frühjahr (...), dazu einen im Sommer, acht Tage vor Jacobi“, heißt es in der Stadtchronik von Rudolf Irmisch von 1960. Zudem blieben bereits etablierte Märkte bestehen.

„Es waren Krammärkte“, erklärt Klaus Struve, Marktmeister seit 44 Jahren. Händler seien mit Schiffen über die Stör gekommen, um Felle und andere Waren zu verkaufen. Auch örtliche Landwirte boten ihre Waren an. Der wirtschaftlichen Situation taten die Märkte laut Irmisch gut: „Sie führten das Landvolk der Umgebung in Scharen in die Stadt; denn auf einem Itzehoer Markt gab es nicht nur etwas zu kaufen, sondern auch zu schauen und zu staunen.“ Zwar reduzierten sich die Termine von fünf auf zwei, aber das Schauen und Staunen blieb erhalten.

In den 1950er Jahren war es die große Holzachterbahn, die für Jauchzer bei den Besuchern sorgte. „Sie brauchte den ganzen unteren Marktplatz vor der damaligen Polizeiwache“, erinnert sich Roswitha von Mach, Anwohnerin aus der Neustadt. Ein „uraltes Ungetüm“ ganz aus Holz sei das gewesen. Damals erstreckte sich der Jahrmarkt mit etwa 40 Buden und Karussells vom Markt vor dem Historischen Rathaus über Krämerstraße, Breite Straße und Sandberg bis zum Holzkamp. Vor dem Rathaus stand ein Kinderkarussell, eine Fahrt kostete fünf Pfennige, so von Mach. Daneben die Würstchenbude von Schlachter Richter. Und eins durfte für die Kinder nicht fehlen: Alli Balli. „Das seien Lutschstangen gewesen, die man in die Länge ziehen konnte. Zuckerwatte und Liebesäpfel seien damals schon beliebt gewesen, Verkaufsstände gegenüber der Bäckerei in der Krämerstraße erinnerten an den Ursprung des Marktes.

Das kleine Riesenrad am Holzkamp kennt Schausteller Johann Dörksen aus Brokstedt noch sehr gut – genauso wie Vespermanns Prachtkarussell, Schlüters Amorbahn, Kaspar Krause und Kalli Henzes Schiffsschaukel. Dörksen stand mit seinem „Knusperhäuschen“ an der Ecke zum Sandberg. Früher sei der Markt kleiner gewesen und „mitten in der Stadt“, erzählt der 76-Jährige, dessen Betrieb von seinen Söhnen in der dritten Generation geführt wird. „Gemütlich“ sei es am Holzkamp gewesen, die Kulisse „schon ein bisschen romantischer“ als heute. „Alles ging ein bisschen ruhiger zu.“

Damals fanden gebrannte Mandeln und Zuckerhandstücke aus eigener Herstellung „reißenden Absatz“, heute seien die Ansprüche gestiegen, viel mehr Spezialitäten im Angebot. Während die Familie früher ihre Bude auf- und abbauen und die Teile mit Anhängern und einem alten Traktor von einem zum anderen Ort fahren mussten, werden heute am Verkaufswagen die Klappen geöffnet – „und los geht’s“.

War auf dem Holzkamp die Amorbahn mit 14 Metern Durchmesser das größte Fahrgeschäft, sind heute 20 Meter mehr Standard. Auf den Malzmüllerwiesen, wo der Markt seit dem Frühjahr 1959 stattfindet, haben sie Platz. Dörksen blickt zurück: Die Schausteller hätten um die alte Tribüne herum aufgebaut – und mussten auf den provisorisch mit Planken ausgelegten Meiereiparkplatz ausweichen, als sie abgerissen wurde. Mit dem heutigen Standort „sind wir echt gut bedient“, lobt er. Gleiches gelte für Marktmeister Struve: „Er ist immer zur Stelle und mit Herzblut dabei.“

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