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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 10:46 Uhr

Wirtschaft : Biobackwaren – Standort gefährdet

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Unternehmer Hans-Paul Mattke will fünf Millionen Euro in Glückstadt investieren, doch das Kreisbauamt bereitet ihm Schwierigkeiten

von
erstellt am 24.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Seit 18 Jahren produziert Hans-Paul Mattke in Glückstadt Bio-Backwaren für den Großhandel – bundesweit. Damit könnte es demnächst vorbei sein. Der Unternehmer überlegt mit seiner Firma „Moin Biologische Backwaren“ nach Horst umzusiedeln. Der Grund: Im Gewerbegebiet an der Stadtstraße könne sein Betrieb wegen behördlicher Auflagen nicht expandieren, sagt Mattke.

Der Bio-Bäcker hat sein Unternehmen von bescheidenen Anfängen aufgebaut. „Als wir hier angefangen haben, haben wir etwa 200  000 Euro Umsatz im Jahr gemacht“, sagt Mattke. Inzwischen seien es über vier Millionen Euro. 43 Mitarbeiter beschäftigt der Unternehmer heute. Und er möchte weiter expandieren. „Wir sind in einem Wachstumsmarkt aktiv. Bio-Lebensmittel werden immer mehr nachgefragt.“ Mattke sieht Potential für weitere Produkte. Eine Steigerung des Umsatzes auf bis zu 25 Millionen Euro hält er langfristig für realistisch. „Dafür muss ich aber anbauen.“ Die jetzigen Produktionsräumen seien zu klein geworden. „Wir brauchen neue Anlagen und mehr Kühlräume für die Lagerung.“

Der Unternehmer hat bereits konkrete Pläne ausarbeiten lassen. Über fünf Millionen Euro will er auf dem Betriebsgelände im Gewerbegebiet an der Stadtstraße investieren. Zehn neue Mitarbeiter sollen die neu errichteten Anlagen bedienen. Doch es gibt Ärger mit dem Kreisbauamt, berichtet Mattke. „Wir haben eine böse Überraschung erlebt, als wir den Bauantrag eingereicht haben.“ Die Behörde fordert von dem Unternehmen ein Lärmgutachten nachzureichen. Dies soll belegen, dass der Betrieb nachts den Grenzwert von 30 Dezibel nicht überschreitet, sagt der Unternehmer. „50 Dezibel sind eigentlich in Gewerbegebieten üblich.“ Die Kühlanlagen der Großbäckerei, die für den normalen Betrieb 24 Stunden am Tag laufen müssen, verursachen Geräusche von 45 Dezibel. „Darunter geht es einfach nicht.“

Auch weitere Auflagen, wie unter anderem ein Emissionsgutachten zur Geruchsbelästigung in der Umgebung, bereiten Mattke Sorgen. „Unter diesen Bedingungen kann ich am Standort Glückstadt nicht weitermachen, obwohl ich das eigentlich möchte. Das ist eine ganz einfache kaufmännische Entscheidung.“

Der Grund für die strengen Auflagen liegt aus seiner Sicht darin, dass rund um das Betriebsgelände auf mehreren Grundstücken Menschen wohnen. „Diese so genannten Betriebsleiterwohnungen dürfte es in einem Gewerbegebiet nicht geben“, meint Mattke, der sich bereits nach anderen Standorten umgesehen hat. Konkrete Gespräche hat er in Horst geführt. „Im dortigen Gewerbegebiet gäbe es ein Grundstück, wo wir unsere Pläne ohne diese Probleme umsetzen können.“

Für Glückstadt wäre ein Umzug des Unternehmens wirtschaftlich ein herber Verlust, sagt Hans-Georg Helm, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Stadtvertretung. „Das wäre absolut bedauerlich. Wir haben nur wenige Unternehmen dieser Größe auf Wachstumskurs und von überregionaler Bedeutung“, so der CDU-Politiker.

Helm will sich bemühen, eine Lösung zu finden, um das Unternehmen am Standort zu halten. „Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, was wir können, damit die Arbeitsplätze hier erhalten bleiben.“ Das Kreisbauamt war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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