Geldsegen : Bingo-Gewinn für Schulneubau

Lern- und Ausbildungsort für zahlreiche jungen Menschen in der Region Mrimbo: die Kiumako Secondary School.
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Lern- und Ausbildungsort für zahlreiche jungen Menschen in der Region Mrimbo: die Kiumako Secondary School.

Der Rafiki-Verein erhält 90 000 Euro aus der Lotterie für Tansania-Projekt. Weitere 35 000 Euro stellen Bildungspartner zur Verfügung

shz.de von
01. Januar 2015, 16:00 Uhr

Jubel bei Rafiki über einen Riesenerfolg: „Der Verein hat den ganz großen Wurf gewagt und gewonnen“, erklärt Vorsitzender Oliver Zantow. Gemeinsam mit der tansanischen Distriktregierung und den Partnern in der Gemeinde Mrimbo gelang es Rafiki, Fördermittel in Höhe von insgesamt 125  000 Euro für einen Schulbau in Tansania einzuwerben. Den Löwenanteil stellt mit rund 90 000 Euro die Bingo-Lotterie. Ergänzt wird die Bingo-Fördersumme – zum Teil über einen längeren Zeitabschnitt – von landesweiten Bildungsnetzwerkpartnern im Schul- und Hochschulbereich.

Die Freude über die Finanzmittel ist deshalb so groß, weil der Verein damit neuen staatlichen Bildungsrichtlinien Rechnung tragen kann. „Mit dieser Hilfe gelingt es uns, die aktuellen Anforderungen der tansanischen Regierung zu erfüllen“, erklärt Zantow. Will heißen: Als Lern- und Ausbildungsort für zahlreiche jungen Menschen in der Region Mrimbo steht nicht nur die gemeinsam erstellte Kiumako Secondary School bereit. Rafiki wird nun zusätzlich auch die für jede weiterführende Schule zwingend vorgeschriebenen naturwissenschaftlichen Räume sowie Fachräume für Datenverarbeitung (DV) bauen können. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung unseres Projekts, das durch die Netzwerkpartner auch vorbildlich in die Bildungsarbeit Schleswig-Holsteins eingebunden ist “, hebt Zantow heraus.

Vor rund einem Dutzend Jahren hätte der Rafiki-Vorsitzende im Traum nicht daran gedacht, dass aus schulischen Projekttagen einmal ein breit aufgestellter Freundschaftsverein mit vielen engagierten Menschen in Schleswig-Holstein und Tansania erwachsen würde. Im Februar 2002 bot das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) Wirtschaft in Kiel, damals noch Ludwig-Erhard-Schule, unter dem Stichwort „One World“ ein Projekt zum Thema „Fair handeln“ an. Lehrer Zantow und seine Schüler erfuhren in diesem Zusammenhang von Hilfsprojekten in Tansania. Tief beeindruckt beschlossen sie, sich ebenfalls zu engagieren – der Startschuss für das Bildungsprojekt in Mrimbo war gegeben. Nach der Gründung des gemeinnützigen Rafiki-Vereins – in der Landessprache „Freund“ – sorgten Sponsorenläufe sowie der Verkauf des in Eigenproduktion hergestellten Tansania-Kalenders sprichwörtlich Stein für Stein für das Fortkommen des Schulbaus. Hervorragend unterstützte immer wieder auch die Bingo-Lotterie das Vorhaben. Daneben organisierte der Verein Begegnungsbesuche und knüpfte ein Netzwerk mit weiteren Partnern.

Die emsige Arbeit trug bald Früchte: Im Rahmen der UN-Weltdekade wurde Rafiki zwei Mal für seine Bildungsarbeit ausgezeichnet. Aktuell beteiligen sich daran zahlreiche Verbündete aus der hiesigen Bildungslandschaft. Etliche Berufs-, Gemeinschafts- und Regionalschulen, die Fachhochschule und die Universität Kiel sowie die BiBeKu (Gesellschaft für Bildung, Beruf, Kultur) in Kellinghusen. Fester Bestandteil der Rafiki-Arbeit sind im diesem Rahmen Afrika-Aufenthalte von Lehramtsstudenten, Praktikanten sowie, in der dritten Generation, Teilnehmern des Weltwärts-Freiwilligendienstes. Für eine Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Gemeinden Kellinghusen und Mrimbo sorgen außerdem regelmäßige Begegnungsbesuche wie zum Beispiel die Sport-Reise der VfL-Damenfußballmannschaft.

Glücklich sind die Freunde in Mrimbo und Schleswig-Holstein unterdessen über die offenbar unmittelbar bevorstehende staatliche Anerkennung der Kiumako- Schule. Vertreter der Distriktregierung äußerten sich bereits begeistert über die neue Bildungseinrichtung und begrüßten die baldige Unterrichtsaufnahme des Sekundarschulbereichs (200 Schüler). „Auf dem Endspurt zur offiziellen Eröffnung der Kiumako Schule erwischte uns dann die Bildungsoffensive der tansanischen Regierung“, erklärt Zantow. Für Lehrer steht außer Frage, dass dies alle betroffenen Schulen des Landes vor enorme Herausforderungen stellt. Gleichzeitig könne nicht genug gelobt werden, dass der Staat die Qualität von Bildung und Abschlüssen deutlich anheben wolle. „Gerade auch in Anbetracht der Chancen, die sich dem Land bieten. Tansania verfügt über riesige Ressourcen, gerade in jüngster Zeit sind große Erdgasvorkommen entdeckt worden.“ Steige das Bildungsniveau, könnten künftige Fachkräfte aus der eignen Bevölkerung rekrutiert werden.

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