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Museums-Spende : Bilder der dreibeinigen Holz-Kamera

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Fielmann-Stiftung verschenkt besondere Fotografien von Theodor Möller an das Kellinghusener Museum.

Erst hatte er die Kamera, dann sie ihn – Theodor Möller (1873- 1953) war eine leidenschaftlicher Lichtbildner und ist der wohl bedeutendste Fotograf des Landes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Motive in Hülle und Fülle fand er auf Wanderschaft kreuz und quer durch das heimatliche Schleswig-Holstein. Auf Glasplatten und Rollfilmen fixierte Möller Bauern- und Bürgerhäuser, Landschaften und alte Kulturgüter. Als er sein Fotoarchiv 1950 dem Landesamt für Denkmalpflege vermachte, umfasste es mehr als 4600 Glasplatten und rund 2000 Rollfilmaufnahmen.

Durch eine Schenkung von Günther Fielmann gelangte ein Teil des fotografischen Schatzes nun in das städtische Museum. Evgenij Rogalski, Leiter der Fielmann-Niederlassung in Itzehoe, überreichte dem stellvertretenden Bürgermeister Reinhard Rübner eine Sammlung von 80 Fotografien. Im Rahmen einer ebenfalls von Fielmann geförderten Ausstellung im kommenden Jahr sollen die 40 x 30 Zentimeter großen Handabzüge der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Mit der Schenkung setzt die Fielmann AG die jahrelange Förderung des Museums Kellinghusen fort“, sagte Jürgen Ostwald von Fielmann Hamburg.

Ein Blick auf die schwarz-weiß Abzüge zeigt: In der Störstadt faszinierte den Fotografen vor allem die romantische Bergstraße mit ihrem Kopfsteinpflaster, Handwerkerhäuser und Blick auf die St.-Cyriacus-Kirche. Neben Motiven aus Kellinghusen umfasst das Konvolut Ablichtungen aus den umliegenden Dörfern und dem gesamten Kreisgebiet.

Unterstützt und begleitet wird das Fielmann-Projekt von Landeskonservator Dr. Michael Paarmann. „Die Idee ist, die Fotos dort hin zu bringen und zu zeigen, wo sie herstammen“, erklärt Paarmann. Wegen ihres hohen Zeugniswerts nehme die Sammlung im Funds des Landesamtes eine besondere Rolle ein. „Sie gehört zu den ganz wertvollen Nachlässen.“

Per Handabzug sichtbar gemacht hat Rosemarie Gerdes, Fotolaborantin im Landesamt, die historischen Bilder. „Frau Gerdes ist es gelungen, den 80 Schwarz-Weiß-Negativen eine ungeahnte Vielfalt von Tönen zu entlocken“, unterstrich Paarmann. Dies gilt auch für weitere Abzüge – bislang wurden im Rahmen des Fielmann-Projekts Möller-Fotos an bereits 18 Museen und Einrichtungen weitergegeben und in ebenso vielen Ausstellungen gezeigt.

Als Möller-Kennerin stets mit dabei ist Marion Bejschowetz vom Museumsverband Schleswig-Holstein. Den Gästen im Museum berichtete sie kurz über die Person hinter dem „Tuschkasten“, wie Fotograf Theodor Möller seine dreibeinige Holz-Kamera liebevoll nannte. Für die Passion ließ er 1924 endgültig den Lehrerberuf in Kiel sausen. Entdeckt hatte er die Fotografie aber schon um 1900, hielt Bildervorträge und galt im Land bald als begnadeter Lichtbildner. Dabei ging es dem heimatverbundenen gebürtigen Rumohrer nicht nur um die Schönheit der Aufnahmen.

Möller sah in der Fotografie vielmehr ein geeignetes Medium, die in seinen Augen bedrohte Umwelt im Bild festzuhalten und für die Nachwelt zu dokumentieren. 1904 übernahm er die Betreuung der Lichtbilder-Sammelstelle in Kiel, 1908 trat er dem Schleswig-Holsteinischen Landesverein für Heimatschutz bei, wurde Beauftragter für Baupflege im Kreisen Tondern und Oldenburg und legte ein Bildarchiv mit rund 1300 Glasplatten an. Sein 1012 veröffentlichtes Buch „Das Gesicht der Heimat“ erlebte bis 1930 fünf Auflagen. Zeitlebens begleiten ihn die Fotografie sowie den beiden anderen Herzensangelegenheiten Heimatforschung- und –pflege. Das er für sein persönliches Bild von „Bewahrenswertem“ zuweilen ein wenig mogelte, gehört heute zu den gern erzählten Anekdoten: Stromstrippen von Überlandleitungen etwa, entfernte der Fotograf kurzerhand von seinen Aufnahmen.

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