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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 13:56 Uhr

AUsstellung : Bilder anarchischer Strukturen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel präsentiert Andreas Böhms Impressionen von der Finkhaushallig.

„Schafe, Schafe, Schafe, so weit das Auge reicht.“ Als Andreas Böhm nach neun Jahren in München das erste Mal wieder am Dithmarscher Deich stand, atmete er die Weite. Das war 1980. Seitdem lebt er in einem großen Bauernhaus in der Nähe von Brunsbüttel. Im Brotberuf arbeitet er seit 34 Jahren als Kunstlehrer am Gymnasium der Schleusenstadt. In seinen Bildern spielen die Deich-Schafe eine wichtige Rolle – auch wenn sie nicht zu sehen sind.

Das Gelände der Finkhaushallig bei Brunsbüttel erscheint für Böhm wie ein unglaublich faszinierender Ort. Dort halten Schafe die Grasnarbe kurz und sichern damit das gewonnene Land – von kleinen und großen Pfützen durchzogen – vor der Wucht des Wassers. Auf etwa 100 mal 200 Metern herrscht ein besonderes Formationsphänomen. Andreas Böhm ist begeistert: „Die Struktur ist völlig anarchisch!“ Dort findet er die Urformen für seine Malerei. Land und Wasser greifen immer wieder anders ineinander, ziehen unglaublich spannende Linien. Positive und negative Form haben das gleiche Gewicht und bieten dem Betrachter zwei Blickansätze.

Lange Zeit war Andreas Böhm bekannt für seine Schablonenbilder, die durch nur zwei, drei dichte Farblagen an Scherenschnitte erinnern. Nach zehn Jahren war damit Schluss. Auch sein Engagement in der Brunsbütteler Galerie Stücker, die er zusammen mit KD Arlt betrieb, war irgendwann zu Ende. „Wir haben auf hohem Niveau einfach Schluss gemacht“, blickt er überzeugt zurück.

Als Maler setzte er weiter auf Formenspiele, adaptiert aber nun freie Linien aus der wilden Natur. „Redundanz ist mir zuwider!“, erklärt er seine Angst vor Wiederholungen. Aus lichter Höhe filmte und fotografierte er das Areal der Finkhaushallig mit der Kamera an einem langen Bambusstock. „Das war der Tanz der Bilderangel“, lacht er und zeigt seine hinter Glas gerahmten Panoramen, deren Einzelaufnahmen mal nach oben, mal nach unten leicht verschoben sind und so das Gefüge wieder in Bewegung bringen. Basierend auf diesen Linienspielen der freien Natur legt er seine Malerei an: Mit dem Pinsel übernimmt er die Lineaturen der Hallig, die wie versprengte Wassertropfen auf einem Spiegel erscheinen. Wobei er wie bei den Schablonenbildern auch dabei den Klang auf zwei, drei Farben reduziert.

So hat der gebürtige Husumer ein Stück Heimat mit Fotokamera und Pinsel neu entdeckt und gibt seine Faszination für diesen Landstrich weiter. Die Fotos und Malereien von Andreas Böhm zur Finkhaushallig wird die Stadtgalerie im Elbeforum ab 2. November in ihrer nächsten Ausstellung zeigen.

>Die Ausstellung „Finkhaushallig“ mit Bildern von Andreas Böhm zeigt die Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel (Von-Humboldt-Platz 5) vom 2. November bis 15. Januar 2015. Es erscheint dazu ein Katalog. Näheres unter www.stadtgalerie-brunsbuettel.de oder 04852/540017.

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erstellt am 19.Okt.2014 | 08:00 Uhr

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