Lieferengpässe bei Getränken : Bier und Wasser werden knapp

Pfandflaschen sind Mangelware: Verkäuferin Kerstin Haftstein und ihre Kollegen bei Famila haben in der Leergutrücknahme aktuell weniger zu tun als üblich.
Pfandflaschen sind Mangelware: Verkäuferin Kerstin Haftstein und ihre Kollegen bei Famila haben in der Leergutrücknahme aktuell weniger zu tun als üblich.

Die Hitzewelle sorgt für Lücken in den Itzehoer Getränkeregalen. Grund sind neben der erhöhten Nachfrage auch fehlende Transportkapazitäten in der Logistikbranche.

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27. Juli 2018, 05:00 Uhr

„Juhu, endlich bringt jemand Leergut zurück“, ruft Verkäuferin Kerstin Haftstein einer Kundin entgegen. Diese betritt die Getränkeabteilung im Famila-Markt vor dem Delftor mit einem Einkaufswagen voll bunter Pfandflaschen. Momentan eher eine Ausnahme, sagt Haftstein.

Der Sommer 2018 ist auf dem besten Weg Hitzerekorde zu brechen und das führt aktuell zu Engpässen auf dem Getränkemarkt: Die Kunden kaufen offenbar mehr auf Vorrat und geben weniger Pfandflaschen zurück. Dadurch wird das Leergut knapp. Betroffen sind alle Getränkesorten, die in Glasflaschen verkauft werden – also vor allem Bier, Wasser und einige Limonaden.


Hersteller konzentrieren sich auf gängige Sorten

„Momentan gibt es bei uns zwar noch immer jedes Getränk, aber nicht immer jede Sorte, die wir normalerweise im Sortiment haben“, sagt Famila-Sprecherin Solveig Hannemann. Während es bei Produkten in Plastikflaschen oder Getränkekartons keine Engpässe gebe, müssten Kunden, deren Lieblingsgetränk in Glasflaschen verkauft wird, teilweise auf andere Marken ausweichen, so Hannemann.

Die Probleme betreffen alle Einzelhändler – die Vollsortimenter und Getränkemärkte mehr als die Discounter, die in der Regel wenig Getränke in Glasflaschen im Sortiment haben. „Wir haben seit zwei Monaten Lieferschwierigkeiten, vor allem beim Wasser. So langsam wird aber auch das Bier knapp. Nur noch die Hauptsorten werden momentan produziert. Randgruppen zu bestellen ist fast gar nicht möglich“, sagt auch Ingolf Dithmer, Prokurist bei Edeka Frauen. In den Sky- und Rewe-Märkten komme es ebenfalls aufgrund der haltenden Hitze bei „einzelnen Sorten zu Kapazitätsengpässen“, sagt Rebecca Lehners, Sprecherin der Supermärkte Nord Vertriebs GmbH. Alle Kunden könnten aber ausreichend mit Getränken versorgt werden.

Die gestiegene Nachfrage und das knappe Leergut führen dazu, dass die Hersteller ihre Produktion auf die gängisten Sorten konzentrieren. So hat beispielsweise bei der Wittenseer Quelle das Mineralwasser aktuell Priorität, erklärt Vertriebsleiter Jörg Johannsen. Das Unternehmen aus Groß Wittensee bei Eckernförde arbeite im Moment im 20-Stunden-Schichtbetrieb. Im „hohen zweistelligen Prozentbereich“ sei die Herstellung ausgeweitet worden, so Johannsen.


Lastwagenfahrer werden händeringend gesucht

Doch nicht nur das knappe Leergut sorgt für Lücken in den Getränkeregalen, sagt Hannemann. „Es gibt auch Probleme bei der Transportlogistik. Es fehlen Fahrer.“ Bundesweit fehlen laut Medienberichte 45 000 Lastwagenfahrer. Nicht zuletzt deshalb sei die Logistikkette zwischen Produzenten und Einzelhandel „zum Zerreißen gespannt“, heißt es vom Bundesverband des deutschen Getränkefachgroßhandels. Wann die Lieferschwierigkeiten abflauen, sei wegen der „vielschichtigen Ursachen“ schwer zu sagen, sagt Hannemann. Famila rechne spätestens dann, wenn die sommerlichen Temperaturen Richtung Herbst sinken, mit einer Normalisierung und wieder vollständig gefühlten Regalen.
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