Lesung in Wilster : Bienen sind Naturexperten

Bienenexperten: Randol Menze (l.) und Matthias Eckoldt.
Bienenexperten: Randol Menze (l.) und Matthias Eckoldt.

Details rund um das fleißige Nutztier erfährt das Publikum beim Verein Leselust im Neuen Rathaus.

shz.de von
22. Mai 2018, 05:01 Uhr

Im Traum verwandelt er sich manchmal selbst in eine Biene und sieht sich fliegen wie ein Insekt. Die Gehirne von Honigbienen sind nur sandkorngroß und doch so aufschlussreich, dass Professor Randolf Menzel sie seit nunmehr 50 Jahren erforscht. Wie man dabei vorgeht, demonstrierte der Berliner Wissenschaftler mit diversen Fotos, Abbildungen und Modellen bei der Lesung im Spiegelsaal des Neuen Rathauses. Außerdem erzählte er im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Matthias Eckoldt, der auch Co-Autor seines Buches „Die Intelligenz der Bienen“ ist, von seinem Werdegang im Wissenschaftsbetrieb.

Die Präsentation ergab somit in einer anregenden Mischung aus Erzählung, Dokumentation und kurzen Leseausschnitten einen Einblick in die Details elektrophysiologischer Versuche, in Menzels Leben und Leidenschaften und auch in die Tücken der Gesetzgebung, die ihm Sorgen bereitet.

Denn das Label „bienenungefährlich“, das viele Insektizide tragen, trügt. Beim Verwenden dieser Pflanzenschutzmittel, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich seien, würden die Bienen durchaus geschädigt, führte Menzel aus. Das Label sei veraltet, da es sich nur auf das Überleben innerhalb von 24 Stunden beziehe und Schädigungen, die später zum Tod führen, nicht berücksichtige. Dass diese eintreten, hat er im Auftrag der chemischen Industrie, die die Ergebnisse aber nicht verwenden wollte und gegen ihn prozessierte, experimentell ermittelt. Menzel gilt als einer der weltweit führenden Forscher zum Nervensystem der Bienen, die er zu den wichtigsten und intelligentesten Nutztieren der Erde zählt. Dabei faszinieren den Leibniz-Preisträger vor allem deren Intelligenz und die Übertragbarkeit aufs menschliche Gehirn, dessen Strukturen viel komplexer und damit schwerer untersuchbar sind.

Bienen teilen ihr Wissen zu ertragsreichen Blütenständen über Schwänzeltänze mit und haben eine Art Landschaftskarte im Kopf. Dass sie damit unabhängig von Duftquellen Orte auffinden, versteht der Forscher als kognitive Leistung. „Das ist nicht Intelligenz im menschlichen Sinn, aber für Tiere herausragend.“ Auch seine sozialen Erkenntnisse zu den Bienenvölkern sind aufschlussreich: So gibt es unter den Arbeiterbienen die, die gut lernen, und die, die schlecht lernen können. „Aber am besten sind die gemischten Gruppen“, stellte er auf Nachfrage schmunzelnd fest: „Elite allein bringt nichts.“

Leselust-Vorsitzende Birgit Böhnisch, die auf die gute Lesbarkeit seines Buches verwies, stellte den Professor als den derzeit bekanntesten Bienenforscher vor und freute sich, dass auch einige Imker aus der Region im Publikum saßen. Diese bekannten im Pausengespräch, dass sie viel Neues erfahren hätten, was viel tiefer gehe als das herkömmliche Wissen über ihre Nutztiere.

Auch Menzel widmet sich nun Bienenstöcken und Honig, nachdem viele Jahre lang vor allem die einmalige Navigationsweise der Insekten im Mittelpunkt seines Interesses stand. „Das ist eine unglaublich befriedigende Aufgabe. Sie sagen uns, was gut und was schief läuft im Garten.“



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