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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 04:02 Uhr

Theater : Bewegender Abend im Brockdorff-Palais

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alles andere als leichte Kost präsentierte Jens Harzer vom Thalia Theater Hamburg seinen Zuhörern im Detlefsen-Museum in Glückstadt.

Wenn Gott existiert, warum schuf er die Welt so wie sie ist mit all ihrer Grausamkeit und Ungerechtigkeit, mit Krieg, Folter und Vertreibung? Oder ist der Zustand der Welt nicht vielmehr ein Beleg für die Nichtexistenz einer höheren Macht?

Es war alles andere als leichte Kost, die Jens Harzer vom Thalia Theater Hamburg seinen Zuhörern im Detlefsen-Museum präsentierte. Aber der Text „Der Großinquisitor“ aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ des russischen Schriftstellers Fjodor M. Dostojewski, den Harzer in seiner Lesung vortrug, hat auch über 130 Jahre nach seiner Entstehung nicht an Aktualität eingebüßt, wie ein Blick in die Nachrichten aus Syrien oder Nigeria verdeutlicht.

Der Dialog zweier höchst unterschiedlicher Brüder, die sich näher kommen wollen und sich über die großen Fragen von Religion und Moral unterhalten, wurde von Harzer sehr lebendig vorgetragen. Seine klare und deutliche Sprache und intensive Präsenz ermöglichte es den Zuhörern der gut einstündigen Lesung in Dostojewskis Werk einzutauchen. Den teilweise drastischen sprachlichen Bildern, mit denen der Autor die Bosheit der Menschheit beschreibt, verlieh Harzer viel Ausdruckskraft. Das Publikum der ausverkauften Veranstaltung bedankte sich mit anhaltendem Applaus für die gelungene Darbietung des Künstlers.

Die Lesung im Museum fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Thalia Kulturlandschaften“ statt – einem Gemeinschaftsprojekt des Theaters mit der Metropolregion Hamburg. Am Konzept der Reihe hat der ehemalige Schüler des Detlefsengymnasiums, Helge Schmidt, mitgewirkt, der auch die Lesung im Detlefsen-Museum als künstlerischer Leiter betreute. Schmidt hat in München Theaterwissenschaft studiert und arbeitet seit drei Jahren am Thalia-Theater.

Jens Harzer, 1972 in Wiesbaden geboren, absolvierte die Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ab 1993 gehörte er  zum Ensemble der Münchner Kammerspiele und später des Bayerischen Staatsschauspiels. Daneben gastierte er unter anderem   am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, bei der RuhrTriennale, am Deutschen Theater Berlin und am Burgtheater Wien. Seit 2009 ist Harzer festes Ensemblemitglied des Thalia Theaters Hamburg. In der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ wurde der Mime 2008 und 2011 zum Schauspieler des Jahres gewählt.
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