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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 10:30 Uhr

Justiz : Bewährungsstrafen für Ex-Bandidos

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Prozess gegen drei Rocker: Im Mai 2016 wird ein Hells Angel in Dägeling überfallen und mit Messerstichen verletzt. Am Mittwoch fällt in Itzehoe das Urteil.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 12:13 Uhr

„‚Hells Angel‘ von Kieler ‚Bandidos‘ niedergestochen. Blutiger Streit unter Rockern – ein Verletzter, drei Festnahmen.“ So lautete die Schlagzeile in unserer Zeitung vor fast eineinhalb Jahren. Die drei Festgenommenen mussten sich nun vor dem Amtsgericht in Itzehoe verantworten. Gestern erging das Urteil wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung: zwischen einem Jahr und zwei Monaten sowie einem Jahr und elf Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf drei, beziehungsweise vier Jahre. Außerdem müssen sie 2000 Euro an den Mann zahlen, den sie damals angegriffen hatten und der als Nebenkläger bei dem Prozess auftrat. Darüber hinaus wurden eine Pistole der Marke Sig Sauer und ein dazugehöriges Magazin mit 50 Schuss Munition (Kaliber 9 Millimeter) eingezogen. Die Waffe konnte niemandem konkret zugeordnet werden.

Der Anführer des Trios war selbst zunächst Hells-Angels-Mitglied, wechselte dann aber zu den Bandidos und fühlte sich und seine Familie laut Urteilsbegründung von seinen Ex-Mitstreitern bedroht. Einer davon war der später angegriffene Hells-Angel, dem er sich laut Richter bewusst nicht 1:1 stellen wollte. Er suchte sich Unterstützung, die beiden Mitangeklagten erklärten sich dazu bereit. Am Nachmittag des 23. Mai 2016 machte sich das Bandidos-Trio auf den Weg zu einem Fitness-Center nach Quickborn im Kreis Pinneberg. Dort trainierte der Hells Angel. Das Trio wartete auf ihn vor dem Gebäude in einem VW-Touran, verkleidet als Sondereinsatzkommando der Polizei. Als der Mann rauskam, in seine Corvette stieg und sich auf den Weg nach Dägeling zu seiner Freundin machte, verfolgten ihn die Bandidos.

In der Itzehoer Straße parkte er seinen Wagen – schräg zu ihm stoppte das Trio ihr mit Blaulicht versehenes, fingiertes „Polizeifahrzeug“. Die Bandidos sprangen aus dem Wagen, riefen dem Mann zu, das Auto zu verlassen. Der habe sich stattdessen zum Beifahrersitz gebeugt, woraufhin der Rädelsführer des Trios davon ausging, er würde eine Waffe haben. Er warnte seine Kumpanen, von denen einer nach einem Baseballschläger griff und das Seitenfenster der Corvette einschlug. Ein anderer zückte ein Messer und stach zu: dreimal in den linken Oberarm des Corvette-Fahrers. Zusätzlich sprühte einer Reizgas ins Fahrzeuginnere. Dann ergriffen die Drei die Flucht, die nach 20 Minuten endete. Die inzwischen alarmierte Polizei stoppte den Touran an der Autobahn in Höhe der Ausfahrt Elmshorn. In dem Wagen fanden Polizeibeamte übrigens die Sig Sauer.

Der Angegriffene, so schilderte der Amtsrichter in der Urteilsbegründung, hatte drei Stichverletzungen am Trizeps davongetragen – vier bis fünf Zentimeter tief, bis zu acht Zentimeter breit. Und er litt unter Reizungen im Gesicht durch das CS-Gas. Der Mann wurde ins Klinikum Itzehoe gebracht, musste operiert werden. Am nächsten Tag aber habe er bereits das Krankenhaus wieder verlassen.

Das Gericht sei überzeugt davon, dass die drei Angeklagten eine gefährliche Körperverletzung begangen haben, so der Richter. Das Leben des Angegriffenen sei allerdings nicht gefährdet gewesen sei. Alle drei hätten in Mittäterschaft gehandelt, jeder sei davon ausgegangen, dass der von ihnen verfolgte Mann in Besitz einer Waffe sei. Im Umfeld von Bandidos und Hells Angels wäre es auch naheliegend gewesen, dass Waffen mitgeführt würden. Von einer Notwehr ging das Gericht trotzdem nicht aus. Es war vielmehr davon überzeugt, dass es keinen Angriff mit einer Pistole gab.

Den Angeklagten wurde indes zugute gehalten, dass sie Einsicht zeigten und zur Aussage bereit gewesen seien. Sie hätten dem Rocker-Milieu und der Kriminalität den Rücken gekehrt, hätten Jobs und Familien. Wenn es auch nicht jedem leicht gefallen sei, so hätten sie sich doch beim Opfer entschuldigt und der Zahlung von 2000 Euro zugestimmt. Gleichwohl wies der Richter darauf hin, die Bewährungsauflagen einzuhalten. Eine Woche haben die Männer nun Zeit, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

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