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Aus dem Gericht : Bewährungsstrafe für Kinderschänder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein 39-Jähriger aus Eggstedt zeigt der Nachbarstochter Pornos auf dem Laptop – das Gericht verurteilt ihn zu drei Jahren auf Bewährung und zu einer Therapie.

Selten sah man bei Gericht einen geständigeren Kinderschänder. Ganz offen berichtete der 39-jährige Eggstedter von seiner Pädophilie, von seiner Alkohol- und Drogensucht, von seinen Depressionen. Er hat drei Kinder, zu denen er zurzeit wenig Kontakt hat, da er sich in Therapien befindet.

Gegenüber Jugendstrafrichter Dr. Knut Güniker musste sich der Mann gestern am Amtsgericht in Meldorf für seine Tat verantworten. Ihm zur Seite stand die Brunsbütteler Strafverteidigerin Eva Fritz. Ihm gegenüber saßen die jungen Eltern des sechsjährigen Mädchens, an dem er sich vergangen hatte – seine Nachbarn. An deren Seite als Opferanwalt der erfahrene Heider Strafverteidiger Hagen Roose.

Der war zugleich der Einzige, der dem Angeklagten seiner dargestellte Reue nicht abkaufte. „Das Verständnis der Staatsanwältin wird nur getoppt von der Ansicht des Täters von sich selbst“, schickte Roose eine verbale Spitze an Staatsanwältin Stephanie Poensgen. Sie hat Dutzende Kinderschänder erlebt, doch Sätze wie diese hört man von ihr selten: „Er nimmt seine Täterrolle an, er setzt sich ehrlich mit seinen Süchten, Krankheiten und Neigungen auseinander“, erkannte Poensgen und sprach zugleich von einem „vorbehaltlosen Geständnis“, mit dem er dem Kind ein erneutes Durchleben der Tat ersparte.

Rückblende: Am 16. Juli 2013 wollte man gemeinsam grillen. Die Sechsjährige lief schon mal zum Nachbarn, der mit den Vorbereitungen beschäftigt war. Da hatte er schon gut fünf Bier intus, hatte Marihuana geraucht. In dieser Verfassung holte er seinen Laptop und zeigte dem Kind harte Pornos. Anschließend befriedigte er sich selbst, bat das Kind niemanden davon zu erzählen.

„Sie sind nicht übergriffig geworden, sie haben das Kind nicht angefasst, die ganze Geschichte hat relativ kurz gedauert“, fasste Richter Güniker im Urteil zusammen.

Der Angeklagte berichtete, dass er seit der Pubertät eine Neigung zu kleinen Mädchen verspüre. Gefunden wurden auf seinem Laptop auch kinderpornografische Darstellungen. Seit „sehr, sehr langem“ leide er unter seiner Pädophilie.

In Kiel gibt es eine ambulante Therapieeinrichtung für Pädophile – die Warteliste ist lang. Durch die Auflage des Gerichts soll es schneller gehen. So bat der Mann selbst um diese Auflage.

Verteidigerin Fritz forderte sechs Monate Freiheitsstrafe ausgesetzt zur Bewährung. Roose forderte über ein Jahr als Mindeststrafe, aber auch er plädierte auf Bewährung. Richter Güniker schloss sich der Staatsanwältin an und machte ihren Antrag zu seinem Urteil. Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilte er den Eggstedter zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Er muss sich einem Bewährungshelfer unterstellen und eine Sexualtherapie absolvieren.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 11:59 Uhr

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