Bewährung für Pädophilen

37-Jähriger vom Landgericht wegen Missbrauchs verurteilt

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08. Mai 2015, 05:00 Uhr

Kontakt zu Kindern unter 14 Jahren ist ihm verboten. Von Orten, wo Kinder sind – Schulen, Kindergärten –, muss er sich fern halten, Ausnahme ist das Schwimmbad. Ein 37-jähriger Iraner ist gestern wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen vom Landgericht zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Im Raum stand eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie, denn der Angeklagte leidet seit 20 Jahren an Schizophrenie, 2013 wurde zudem Pädophilie festgestellt. Die erste Tat ereignete sich am Nikolaustag 2013: Im Whirlpool des Schwimmzentrums am Klosterbrunnen berührte der Iraner einen damals achtjährigen Jungen unsittlich. Im Mai 2014 sprach er in ZOB-Nähe ein damals siebenjähriges Mädchen an, zog es am Arm in einen Kellerniedergang und zeigte ihr auf seinem Handy pornografische Bilder sowie zwei Videos. Er fragte das Kind zudem, ob es schon mal geküsst habe. Als es verneinte und gehen wollte, hielt er es laut Anklage kurz fest und vergatterte es zum Schweigen, bevor das Kind fliehen konnte. Beides gab der 37-Jährige zu, allerdings habe er dem Mädchen nur ein Bild gezeigt und es nicht festgehalten. Das Verfahren wegen einer dritten Tat wurde eingestellt. Angeklagt war Beleidigung, denn in der Edendorfer Straße soll der Iraner einer damals Zwölfjährigen eine unmissverständliche Aufforderung zum Geschlechtsverkehr zugerufen haben. Das stritt er ab.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei den als Zeugen gehörten Kindern, fügte aber hinzu: „Ich kann nichts dafür, ich bin selbst ein Kind.“ Eine als Sachverständige gehörte Psychiaterin attestierte dem Mann eingeschränkte Schuldfähigkeit, sprach sich aber gegen die Unterbringung aus.

Daran hielt sich die Kammer um den Vorsitzenden Eberhard Hülsing, machte aber umfangreiche Auflagen für die Bewährungszeit, die auf drei Jahre festgelegt wurde. Der Iraner muss sich einem Bewährungshelfer unterstellen. Er muss – und will, wie er mehrfach bekundete – eine Therapie absolvieren. Hinzu kamen die Verbote, sich Kindern zu nähern. Hülsing warnte den Angeklagten, sich an die Auflagen zu halten: „Wenn Sie wieder straffällig werden, können Sie so sicher wie das Amen in der Kirche sein, dass die Bewährung widerrufen wird.“ Der Iraner nahm das Urteil sofort an, womit es rechtskräftig ist.

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