Prozess : Bewährung für Ladendieb

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Er klaute und schlug zu – vor Gericht schweigt ein 25-Jähriger und bekommt Bewährung.

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31. Juli 2014, 17:00 Uhr

Zwei Jahre auf Bewährung bekam ein 25-jähriger Glückstädter. Der Ladendieb stand vor dem Gericht, das geführt wurde von Strafrichter Dominik Mardorf.

Seit 2004 prügelt und stiehlt sich der 25-Jährige durchs Leben. Neun Vorstrafen hat er, viele wegen Körperverletzung. Jetzt musste sich der Mann wegen räuberischen Diebstahls vor dem Itzehoer Schöffengericht verantworten. Der Hartz-IV-Empfänger hatte am 27. Februar bei einem Discounter sechs Safttüten im Wert von 8,34 Euro mitgehen lassen.

Zwei Mitarbeitern war der Mann am Tattag bereits vor dem Markt aufgefallen, wo er nervös hin und her lief. Dann sahen sie, wie der Angeklagte mit leerem Rucksack den Markt betrat, aber mit vollen Rucksack an die Kasse kam. Eine Tafel Schokolade bezahlte er, mehr nicht.

Als der Filialleiter (46) ihn bat, den Rucksack zu öffnen lehnte der Mann dies ab. Der Filialleiter versperrte die Tür, der Dieb schlug zu und floh. ,,Er hat mit der Faust ausgeholt, hat mich ganz leicht getroffen und ist weg, das war alles“, sagte der Filialleiter über die Attacke durch den 25-Jährigen.

Der im Jogginganzug erschienene Angeklagte sagte nichts. Erwischt hat ihn die von einem Angestellten des Discounters gerufene Polizei auf der Flucht: Er kam dem Streifenwagen entgegen. ,,Die Beschreibung passte“, sagte eine 20-jährige Polizei Auszubildende bei Gericht und schilderte, wie seinerzeit der Angeklagte gestoppt wurde. Wie er die Tat bestritt, man ihn mit aufs Revier nahm, da er keine Ausweispapiere bei sich trug. Auf der Wache wurden schließlich die sechs Saftpackungen im Rucksack entdeckt.

Was den eigentlich einfachen Ladendiebstahl für den Angeklagten teuer werden ließ, waren sein Widerstand und seine einschlägigen Vorstrafen. Dass in Besitz halten der Beute, auch mit Gewalt, machten die Tat zum räuberischen Diebstahl in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. Die Mindeststrafe hierfür beträgt ein Jahr. Daraus resultiert auch die Zuständigkeit des Schöffengerichts.

Richter Mardorf stufte angesichts des Beutewerts die Tat als minderschweren Fall ein. Das brach den Strafrahmen nach unten hin auf. Staatsanwältin Monika Krause forderte angesichts der zahlreichen Vorstrafen ein Jahr auf Bewährung, Strafverteidigerin Katja Münzel sah sechs Monate auf Bewährung für ausreichend an. Richter Mardorf und Schöffen legten ihr Urteil etwa in der Mitte ab und entschieden sich für acht Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Nicht zuletzt weil der Angeklagte so gar nichts von sich erzählen wollte, ordnete ihm Mardorf eine Bewährungshelferin bei. Die wird nun ein Auge auf den 25-Jährigen haben.

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