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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 06:16 Uhr

milde strafe : Betrug im Möbelmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Möbelkauf auf Kredit mit falschem Ausweis – ein junges Paar kommt vor dem Itzehoer Amtsgericht mit milder Strafe davon.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Eine Wohnung muss eingerichtet werden. Nicht so einfach ohne Geld. Ein junges Paar griff im Sommer 2012 zu einem Trick – und landete wegen Betrugs vor dem Schöffengericht am Amtsgericht. Die Strafe fiel milde aus.

Die Angeklagten kamen mit 30 Minuten Verspätung aus Hamburg: er 21, Afghane und Student, sie 25, Hausfrau und Mutter. Der Babysitter hatte auf sich warten lassen. Anfang August 2012 war die Angeklagte noch schwanger, die angehende Familie brauchte Möbel. Sie wohnte noch in Itzehoe, suchte einen lokalen Markt auf und wollte die Anschaffungen über Kredit finanzieren.

Doch beide hatten reihenweise Vorstrafen sowie hohe Schulden. Die 25-Jährige brachte 13 Vorstrafen mit, Körperverletzung, Diebstahl, Urkundenfälschung und immer wieder Betrug, auch in Haft saß sie schon. Ihr Freund hatte vier Vorstrafen, stand aber wegen räuberischer Erpressung unter laufender Bewährung. Daher drohte ihn eine neue Verurteilung ins Gefängnis zu bringen.

Weil ein Kredit nicht in Frage kam, legte das Paar in dem Itzehoer Möbelmarkt den gestohlenen Personalausweis einer solventen Frau vor. So konnte es Möbel im Wert von fast 5000 Euro kaufen. Ein großer Fernseher und eine Playstation für zusammen 1400 Euro sollten den Wohnkomfort abrunden, deshalb fuhren sie vier Tage später zu einem Elmshorner Markt.

Doch der Verkäufer schaute genau hin beim vorgelegten Ausweis. Das merkte die Angeklagte und flüchtete über die Toilette. Ihr Freund blieb zurück, versuchte es noch mit der Aussage ,,Die gehört nicht zu mir“. Die Anwälte verlasen Geständnisse der Angeklagten: Die Frau sei Motor der Tat gewesen, er ein schwacher Mann, der höchstens Beihilfe geleistet habe. Nun sei man Familie, bereue die Taten sehr und verspreche, dass so etwas nie wieder passiert.

Seit fast anderthalb Jahren haben sich die jungen Eltern nichts mehr zuschulden kommen lassen, leben von Bafög, Arbeitslosengeld II und Kindergeld, die Perspektive ist dank des technischen Studiums des Angeklagten hoffnungsvoll. Staatsanwältin Verena Nagel zeigte sich milde gestimmt und forderte für die Frau neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, für den Mann solle die Entscheidung über eine Jugendstrafe auf ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden – denn das gefährdet die laufende Bewährung nicht. Das übernahm das Gericht und machte die Auflage, eine Schuldnerberatung aufzusuchen. ,,Nehmen Sie das Urteil an?“ Der Tonfall des Vorsitzenden Richters Reinhard Bischof ließ nur eine Antwort zu: „Ja.“

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