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Gesundheitswesen : Betriebskrankenkasse fusioniert

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

BKK Schleswig-Holstein sucht Schulterschluss mit drei weiteren Betriebskrankenkassen. Neue Geschäftsstelle in Horst ab 1. November

Ursprünglich waren sie zwei Kollegen, heute sind es 24 und ab 1. Januar rund 1000. Als Michael Peschel Mitarbeiter der Betriebskrankenkasse (BKK) des Glückstädter Papier herstellenden Unternehmens wurde, hätte er sich das nicht träumen lassen. Zum 1. Januar fusioniert die Betriebskrankenkasse Schleswig-Holstein mit drei weiteren Krankenkassen: Partner werden die BKK Verkehrsbau Union (VBU) aus Berlin, die BKK Demag Krauss-Maffei mit Sitz in Duisburg und die BKK Basell aus Wesseling bei Köln.

„Wir fusionieren, um bestehen zu können. Um attraktiv zu bleiben und um den Beitragssatz halten zu können“, sagt Peschel. Mit dem Zusammenschluss wird der jetzige Chef der BKK dann Regionalleiter von Schleswig-Holstein. Mit dem Zusammenschluss wird die neue Betriebskrankenkasse VBU rund 460 000 Menschen versichern und gehört dann zu den 30 größten Krankenkassen Deutschlands.

Das er solch eine Karriere machen würde, ahnte der Glückstädter nicht, als er am 1. November 1983 in dem kleinen Büro der damaligen Betriebskrankenkasse von Steinbeis (früher Temming) anfing. Gelernt hatte der gebürtige Lübecker in der Gastronomie. Schnell schulte er um und ging mit seiner ersten Ehefrau nach Glückstadt.

Viele Jahre teilte er sich ab 1983 mit der damaligen Krankenkassen-Chefin Elke Reimers eine kleine Geschäftsstelle neben dem Pförtnerhäuschen auf dem Areal der Papierfabrik. Geschrieben wurde auf einer Schreibmaschine. „Wir mussten noch mit DIN A3-Formularen arbeiten.“ Die Daten der Versicherten wurden auf Karteikarten handgeschrieben festgehalten. „Es gab keine EDV. Wir haben alles selber gemacht.“ Das änderte sich, als die elektronische Datenverarbeitung Anfang der 90er Jahre Einzug hielt. Der Aufwand wurde größer und mit Ingrid Fischer wurde eine Halbtagskraft eingestellt. Bereits 1992 bekam Michael Peschel einen Computer. für ihn ersteinmal keine Arbeitserleichterung. „Das war doppelte Arbeit.“

1995 ging Elke Reimers in den Ruhestand, Peschel wurde Chef der Abteilung – Vorstand der BKK. Weil aber ein zweites Werk von Steinbeis in Gemmrigheim am Neckar dazu kam, wurde Elke Reimers aus dem Ruhestand geholt, um dort die Angelegenheiten der dortigen Krankenkasse zu ordnen. Zeitgleich kam als neue Angestellte Petra Reinhardt dazu. Die Arbeit in Gemmrigheim übernahm ein Jahr später Peschel zusätzlich.

2005 fusionierte Betriebskrankenkasse von Steinbeis mit der BKK Alsen (heute Zementwerk Holcim). Zu dem Zeitpunkt gab es acht Mitarbeiter an den drei Standorten. 2008 gab Steinbeis 2008 den Standort Gemmrigheim auf.

Die Arbeit wurde trotzdem immer umfangreicher. „Es kamen immer mehr Aufgaben dazu. Wir sind stetig gewachsen und haben tolles Personal dazubekommen“, sagt Peschel. Seine Devise: „Sehen, was für die Menschen wichtig ist.“ Deshalb beschloss er auch, vor einigen Jahren mit der Geschäftsstelle aus dem Unternehmen Holcim herauszugehen und sie direkt nach Lägerdorf zu verlegen – gut erreichbar für alle Versicherten dort. Inzwischen gibt es auch Zweigstellen in Marne und Vaale. Am 1. November wird eine weitere in Horst am Markt eingerichtet.

Und der heute 56-Jährige setzte 2011 eine Idee um: Er und alle Mitarbeiter machen seither regelmäßige Kurse, um plattdeutsch zu lernen. Bis vor einer Woche bei Heiko Gauert, der in vielen plattdeutschen Gremien sitzt. Jetzt übernimmt die Schulung eine interne Mitarbeiterin. Das Regionale ist es, dass Peschel am Herzen liegt. Und er ist sich sicher: „Mit dieser Sprache fällt die Barriere weg.“ Die Ansprache sei herzlicher und persönlicher.

Dass die BKK in Glückstadt so wachsen konnte und kann, ist einer Gesetzesänderung von 1998 zu verdanken. Damals durften sich die Betriebskrankenkassen entscheiden, ob sie nur eigene Betriebsangehörige und ihre Angehörigen versichern oder ob sie sich öffnen. Die Papierfabrik in Glückstadt hatte durch die Automatisierung inzwischen weit aus weniger Mitarbeiter als früher, deshalb entschieden sich die Verantwortlichen die BKK zu öffnen.

Die BKK S-H heute hat einen Verwaltungsrat, der aus je zwei Vertretern von Steinbeis und Holcim besteht. Es sind aus Glückstadt Rüdiger Bruchmann und Jörg Behrens sowie aus dem Unternehmen Holcim Joachim Dietz und Sönke Erbs. Mit der Fusion wird sich dies ändern. Dann wird es einen wesentlich größeren Verwaltungsrat geben.

Durch die Fusion soll der Vor-Ort-Service in vielen Bundesländern gestärkt werden. „Während andere Krankenkassen Geschäftsstellen schließen, setzen wir auf den persönlichen Kundenkontakt“, sagt Michael Peschel.

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erstellt am 21.Okt.2015 | 11:45 Uhr

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