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Flüchtlingspolitik : Betreuung muss ausgebaut werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Akteure fordern hauptamtliche Koordinierung und mehr Investitionen in das Erlernen der deutschen Sprache.

Kreis Steinburg | Während in der Kreisverwaltung an einer neuen Willkommenskultur und an einem möglichst optimalen Empfang von Asylsuchenden auf Steinburger Kreisgebiet gefeilt wird (wir berichteten gestern - d. Red.) wird bei den Akteuren, die unmittelbar mit der Betreuung der Menschen zu tun haben, eine klare Forderung laut: Es muss feste Strukturen in der Flüchtlingspolitik vor Ort geben. Bislang liegt die weitere Arbeit nach dem ersten Kontakt mit der Ausländerbehörde in den Händen der Volkshochschule Itzehoe und des Migrationsdienstes der Caritas sowie vieler ehrenamtlicher Helfern. Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Bernd Voss, verschaffte sich in Gesprächen mit allen Akteuren jetzt einen Überblick. „Es gibt in der Bevölkerung eine sehr positive Grundstimmung“, stellte er im Anschluss zunächst einmal erfreut fest. Deutlich werde jetzt allerdings auch, dass der Prozess der Integration sehr viel früher einsetzen müsse.

Eine wichtige Grundlage dafür ist der möglichst zügige Erwerb von Sprachkenntnissen. Hier wurden allerdings auch schnell ganz praktische Probleme erkennbar. „Die Kurse finden in Itzehoe statt. Teilnehmer aus Krempe oder Kellinghusen können da nicht hinkommen, weil ihnen das Geld fehlt“, so die Leiterin des Integrationsdienstes, Silvia Bruns. Nach ihrer Einschätzung müssten die zu uns kommenden Asylsuchenden auch sehr viel mehr an die Hand genommen werden, um ihnen eine gute Hilfestellung bieten zu können. Bruns: „Sie kommen doch in ein für sie wildfremdes Land.“ Wenn man dann in Hodorf, Wewelsfleth oder Wacken angekommen ist, wisse man doch gar nicht was los ist.“

In der Gesprächsrunde wurde deutlich, wie sehr es da auf ehrenamtliche und nachbarschaftliche Hilfe ankommt. Gerade im ländlichen Raum funktioniere das oft sehr gut. So wurde die Gemeinde Breitenberg als eine Art Vorbild herausgestellt. Und der Chef der Steinburger Ausländerbehörde, Peter Pfahl, lobte insbesondere den vorbildlichen Einsatz der Kellingusener. Entscheidend sei letztlich aber, dass irgendwo auch die Fäden zusammenlaufen. „Wir brauchen dafür eine hauptamtliche Kraft“, fordert Michael Grandt als Geschäftsführer des Familienzentrums St. Ansgar. Eine Mitarbeiterin alleine seien mit den vielen Aufgaben und Anforderungen da überfordert.

Das vom Landesverband der Volkshochschulen auch in Itzehoe angebotene Starterpaket für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein (Staff.SH) wurde als erste Orientierungshilfe und als Einstieg begrüßt. „Nach zehn Wochen ist da aber Schluss, und es fehlt der Anschluss“, moniert Rüdiger Schumacher, der den Einsatz von acht ehrenamtlichen Sprachberatern koordiniert. VHS-Leiterin Corinna Ahrens-Graviert pflichtet auch mit dem Hinweis auf die demografische Entwicklung in Deutschland bei: „Der Erwerb von Sprachkenntnissen muss auch politisch gewollt sein.“ An den Asylsuchenden selbst scheitere es jedenfalls nicht. „Die sind alle neugierig und freuen sich auf Deutschland“, hat Andrea Schlemminger (VHS Itzehoe ) beobachtet. Auch Kontakte zur Steinburger Bevölkerung seien jederzeit erwünscht und willkommen. Klare Forderung: Der Erwerb von Sprachkompetenz müsse deutlich ausgebaut werden – auch weil es aktuell im Staff-Programm eine Warteliste mit 65 Personen gibt.

Weitere ehrenamtliche Helfer sind bei der Betreuung der Asylsuchenden jedenzeit herzlich willkommen. Rüdiger Schumacher weiß aus eigener Erfahrung: „Das ist auch für alle, die helfen wollen, ein großer Gewinn. Das ist eine Topsache, die auch noch viel Spaß macht.“

„Staff.SH ist nur einer von mehreren Bausteinen“, fasste Bernd Voss zusammen. Der Abgeordnete beklagte, dass Defizite der Vergangenheit jetzt aufgearbeitet werden müssten. In jedem Fall müssten die Verfahren und Kurse sehr viel schneller einsetzen. Voss forderte auch eine spürbare Beschleunigung bei den Asylverfahren. „Das kostet die betroffenen Menschen schließlich auch sehr viel Lebenszeit.“ In jedem Fall werde deutlich, dass Haushaltsmittel auf verschiedenen Ebenen deutlich aufgestockt und eine flächendeckende Willkommenskultur eingeführt werden müssten. Abschließend erinnerte er daran, dass schon jetzt zwölf Prozent der Steinburger Bevölkerung einen Migrationshintergrund hätten. Bei den Asylsuchenden aus Krisengebieten rechnen alle Beteiligten mit weiter steigenden Zahlen und langfristigen Aufenthalten.

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erstellt am 05.Nov.2014 | 12:00 Uhr

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