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Landwirtschaft : Betretungsrecht geht an der Realität vorbei

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Bahrenflether Uwe Schwartkop kritisiert die von Umweltminister Robert Habeck beabsichtigte Gesetzesänderung.

von
erstellt am 31.Aug.2015 | 05:30 Uhr

Morgen soll es im Landtag einen Kabinettsbeschluss geben – zur Lockerung des Betretungsrechts für landwirtschaftliche Flächen. Umweltminister Robert Habecks Idee: Kinder sollen auf Stoppelfeldern Drachen steigen lassen, Wanderer mal querfeldein gehen können, „aber nur da, wo sie keinen Schaden anrichten“. Der Gedanke, das hält der Bahrenflether Uwe Schwartkop dem Umweltminister noch zu Gute, sei vom Grundsatz her schön und nachvollziehbar. Aber: „Der Entwurf zeigt, dass die Realität auf der Strecke bleibt“, sagt er.

„Auch einem Umweltminister Habeck müsste bekannt sein, dass die frei lebende Tierwelt gerade nach der Ernte weiter über die Felder sehen kann und bei Anwesenheit von Menschen flüchtet.“ Dabei überqueren die Tiere in hohem Tempo zwangsläufig Straßen und kehren in der Dunkelheit in ihren gewohnten Lebensraum zurück. „Dadurch kommt es zweimal zu Gefahrensituationen für Verkehrsteilnehmer und Tierwelt“, beschreibt er das Szenario. „Wer will die Verkehrsunfälle mit dem ganzen Elend für Mensch und Tier verantworten? Herr Minister Harbeck?“, fragt Schwartkop. Hinzu komme, dass Laien heute gar nicht mehr beurteilen könnten, wann ein Feld – übrigens landwirtschaftlicher Privatgrund – abgeerntet ist und betreten werden kann, ohne Schaden anzurichten. Die erste Maht im Mai könnte doch schon den Eindruck erwecken, dass ein Feld durchwandert werden könne. Wie wolle man da Brutvögel schützen? Probleme gebe es auch im Herbst für die Untersaat auf abgeernteten Feldern, die betreten würden.

Außerdem wäre die Regelung gegen den Artenschutz. Schwartkop weist auf das verstärkte Fluchtverhalten der Tiere durch Menschen und mitgeführte, oft unangeleinte Hunde. Die Unfallgefahr werde verstärkt, zumal das Verkehrsaufkommen am Tag noch erhöht ist. Das Betretungsrecht führe auch zu Verunreinigungen der Landschaft durch Müll wie Blech, Glas und Plastik. „Dieses stellt eine Gefahr für Menschen, Tiere und Maschinen dar.“ Und ein nicht außer Acht zu lassender Faktor ist die Seuchengefahr, denn Toiletten sind schließlich nicht vorhanden.

Am meisten ärgert sich Uwe Schwartkop darüber, dass die Gesetzverabschiedung ohne öffentliche Anhörung und Diskussion erfolge. „Das Betretungsrecht ist nicht ausreichend im Parlament behandelt worden.“

 

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