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Betreten verboten – die Tür zum ehrwürdigen Kirchturm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Keller, Krypten, Katakomben: In unserer Adventsserie öffnen wir täglich eine Tür, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleibt, und zeigen verborgene Orte im Kreis Steinburg. Heute: die Tür zum Turm der Wilsteraner St. Bartholomäus-Kirche.

Die Botschaft an der hölzernen Tür zum Glockenturm ist eindeutig: Betreten verboten! Entsprechend traut sich auch kaum noch jemand in das ehrwürdige Bauwerk. Dabei muss man sich um die Standfestigkeit des weithin sichtbaren Turmes eigentlich keine Sorgen machen. „Nichts steht in der Marsch so sicher wie unser Kirchturm“, ist Pastorin Telse Möller-Göttsche überzeugt. Früher sei es die Regel gewesen, dass die Konfirmanden zur Turmbesichtigung luftige Höhen erklommen haben. Allerdings ist die Unfallgefahr in dem engen Treppenaufgang auch nicht zu unterschätzen. Heute, so berichtet die Seelsorgerin weiter, komme es nur noch gelegentlich vor, dass Alt-Konfirmanden um eine Besichtigung bäten. In solchen Fällen überlässt sie dann lieber einem Mitglied des kirchlichen Bauausschusses den Vortritt.

Dabei waren auch die Handwerker wohl selbst davon überzeugt, dass sie ordentliche Arbeit abgeliefert haben. An den massiven Balken hat sich zum Beispiel ein gewisser Mark verewigt – verbunden mit der Jahreszahl 1866.

Der Turm der St. Bartholomäus-Kirche ist übrigens älter als das Gotteshaus selbst. Als Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Kirche auf der fünf Meter über Normal Null hohen Warft im Stadtzentrum entstand, blieb der alte Turm erhalten. Die Baumeister brachten sogar das Kunststück fertig, die Turmspitze um vier Meter anzuheben und leicht zu drehen, um sich der neuen Ausrichtung des Kirchenschiffes anzupassen. Am 15. Juni 1844 überstand der Turm sogar unbeschadet einen Bombenangriff. Vier der fünf Glocken waren da schon für die Rüstungsindustrie abmontiert worden. Die fünfte blieb Wilster erhalten – sie war zu groß. Die Uhrenglocke wurde später unversehrt im Hamburger Hafen wiedergefunden und kehrte an ihren Platz zurück. 1963 wurden die übrigen fehlenden Glocken geweiht. Ihr Klang ist den Menschen vertraut – nur die Quirinusglocke bleibt eher stumm. Sie soll die Menschen in Wilster und Umgebung vor der Pest warnen.

>Morgen öffnen wir die Tür zur so genannten Z-Brücke im Brunsbütteler Elbeforum (Foto).

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