Seemannsmission : Besuch für gestrandete Seemänner

Auf der Anja: Werner Leyffer und Leon Meier mit dem ersten nautischen Offizier Volodymyr Kozitsyn und Kapitän Alexander Pershin.
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Auf der Anja: Werner Leyffer und Leon Meier mit dem ersten nautischen Offizier Volodymyr Kozitsyn und Kapitän Alexander Pershin.

Glückstadt und Wewelsfleth: Werner Leyffer und Leon Meier bringen Weihnachtsgeschenke auf zwei Schiffe, die unfreiwillig festliegen

shz.de von
28. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Seit Juli liegt in Glückstadt der insolvente Frachter „Kappeln“ – an Bord sind immer noch drei Mitglieder der Mannschaft. Und m Oktober havarierte das Schiff „Anja“ in Bützfleth und wurde mit einem Heckschaden zur Werft nach Wewelsfleth geschleppt. Mittlerweile hat auch dieser Frachter Insolvenz angemeldet und die elfköpfige Crew festgesetzt, einige Seeleute haben seit vier Monaten keine Heuer gesehen. Deshalb bekamen die Seeleute Besuch von Werner Leyffer und Leon Meier von der Seemannsmission Brunsbüttel. Denn auch die Häfen in Glückstadt, Wewelsfleth und Beidenfleth gehören zum Bezirk der Seemannsmission.

„Wenn die Mannschaft von Bord gehen würde, verliert sie ihre Ansprüche gegenüber der Reederei“, erklärt Seemannsdiakon Leon Meier zur Besatzung der Anja. Mit seinem Außendienstmitarbeiter Werner Leyffer aus Glückstadt überbrachte er beiden Crews am Heiligen Abend Geschenke.

Werner Leyffer betreut die Besatzungen beider Schiffe vom Seemannsclub Glückstadt aus. Zum Weihnachtsfest hatten Meier und Leyffer nicht nur eine Tüte mit selbst gebackenen Kekse für jedes Besatzungsmitglied, sondern auch „Weihnachten am Ohr“ mitgebracht. „Mit den Telefonkarten können die Seeleute 150 Minuten mit ihren Familien wenigstens telefonieren“, erklärt Leon Meier die Aktion.

Auf der „Anja“ freute sich Kapitän Alexander Pershin über die Präsente. Seine Crew besteht aus Russen, Ukrainern und Litauern, die gemeinsam an Bord leben und Weihnachten feierten. „Wir haben gerade frischen Proviant bekommen, unser Koch ist Ukrainer – der kocht sehr gut“, erzählt Pershin. In seiner Heimat Russland wird Weihnachten ohne besondere Rituale oder Essen gefeiert. „Wir haben das an Ostern, mit einem besonderen Kuchen und bemalten Eiern.“ Aber nun seien die Seemänner in Europa und feiern Weihnachten hier, wie alle anderen auch.

Bei schlechtem Wetter können an Bord keine Arbeiten erledigt werden und auch unter Deck gibt es nicht viel zu tun. „We’ve got a big Weekend“, beschreibt Alexander Pershin die Zwangsliegezeit. Drei seiner Leute warten auf ihre Heuer, ihre Arbeitsverträge laufen Ende Dezember aus. Sein Vertrag endet im Januar, aber so lange kein Geld auf die Konten kommt, werden sie das Schiff nicht verlassen. „Wir können nur warten und hoffen, dass alles gut wird.“ Trotzdem herrscht an Bord eine gute Stimmung, und in der Messe sei sogar ein wenig weihnachtlich geschmückt, sagt der Kapitän. Für die Mannschaft gab es Heiligabend Lachs als Vorspeise, danach Braten mit Kartoffeln und Salat. Alexander Pershin fährt seit 1991 zur See und kann gar nicht sagen, wie oft er an Weihnachten nicht zu Hause war. Der 52-Jährige ist drei Jahre lang als Wolgaschiffer unterwegs gewesen, bevor er seine Ausbildung zum Schiffsführer antrat.

Ähnlich sieht es in Glückstadt auf der „Kappeln“ aus. Die drei verbliebenen Mitglieder der Besatzung staunten über die Überraschungen, die Leon Meier und Werner Leyffer ihnen brachten. An Bord befinden sich immer noch der zweite nautische Offizier Górski Jacek, der zweite technische Offizier Krystaf Zuhinoli (beide aus Polen) und Vollmatrose Melos Shiandel von den Philippinen. Er war für das Festessen zuständig und bereitete in der Kombüse die Weihnachtsgans zu. Jacek und Zuhinoli hoffen, dass ihre Familien die Reise nach Glückstadt angetreten haben und sie auf dem Schiff besuchen. Ansonsten werden auch diese drei Seefahrer fern von der Heimat an den Feiertagen mit den mitgebrachten Telefonkarten fernmündlich mit ihren Angehörigen den Kontakt aufnehmen.

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