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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 00:25 Uhr

Beste Unterhaltung in legerer Atmosphäre

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit zwei kammermusikalischen Repertoire-Bonbons eröffnete das Bläserensemble „German Winds“ die diesjährige Konzertsaison im gutbesetzten Kulturhof. Zunächst gab es in der Doppelbesetzung für Oboe, Fagott, Horn und Klarinette die Harmoniemusik zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“.

Unter Harmoniemusik verstand man Ende des 18. Jahrhunderts die Zweitverwertung eines Großwerks in kleiner, publikumsnaher Besetzung. Heute würde man schlicht von Werbung sprechen. Oder von der Oper im Schnelldurchlauf: Die Drei-Stunden-Oper wird auf ein zwanzigminütiges Appetithäppchen zusammengeschmolzen. Dieses kleine Kunstwerk, bei dem die Urheberschaft Mozarts unklar ist, präsentierte das Ensemble weich und fließend, sozusagen als reinen Bläserschmelz. Bei Mozarts siebensätziger Serenade „Gran partita“ (KV 361) begegnete man dem bekannten Adagio wieder, das in der „Amadeus“-Verfilmung eine zentrale Rolle spielt. Diesen schwebenden Oboenton, der von der Klarinette übernommen wird, beschreibt Salieri als eine „Phrase unbeschreiblichen Entzückens“, was ihn so eifersüchtig auf den jungen Konkurrenten macht, dass er beschließt, ihn umzubringen. In solchen Reminiszenzen konnte man in einer solchen Serenade mit ihren samtigen Bläser-Kantilenen dahinschweben.

Gegenüber dem ersten Stück des Abends war das Ensemble nun um zwei Bassethörner und zwei weitere Hörner sowie Kontrabass ergänzt. Sehr vollmundig! Sehr angenehm! Da behaupte noch jemand, E-Musik sei nicht unterhaltsam. Das anregende Divertimento der Harmoniemusik und die feinsinnige, aber leicht und locker dahinschwebende Serenade boten zusammen mit der legeren Atmosphäre des Kulturhofs beste Unterhaltung.

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