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Freiwillige Feuerwehren : Besser und billiger als ehrenamtlich geht nicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landesbrandmeister Detlef Radtke warnt: Das 150 Jahre alte System der freiwilligen Feuerwehren verliert an Stabilität.

„Viele Länder in Europa beneiden uns um unser Feuerwehrsystem“, betonte Landesbrandmeister Detlef Radtke. Ein System, das nicht nur auf Berufsfeuerwehren baue, sondern insbesondere auf das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung in Sachen Brandschutz und Hilfeleistungen. Doch aufgrund leerer Haushaltskassen und rückläufigen Mitgliederzahlen in den etwa 24 000 freiwilligen Feuerwehren in Deutschland habe das über 150 Jahre alte System deutlich an Stabilität verloren. „In Sachen Mitgliedergewinnung ist noch ordentlich Potenzial vorhanden“, sagte der Landesbrandmeister. Aber nicht nur die Feuerwehren, sondern auch die Bürgermeister und Gemeindevertreter stünden in der Pflicht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so Detlef Radtke.

Der Landesbrandmeister war auf Einladung von Amtswehrführer Thorsten Beuck Gast in Heiligenstedten bei einer Informationsveranstaltung für Bürgermeister, Gemeindevertreter und Wehrführer aus dem Amt Itzehoe-Land. In seinem Vortrag lieferte Detlef Radtke, der seit fast 40 Jahren in der Wehr aktiv ist, aktuelle Zahlen zum Feuerwehrwesen im Land, aber vor allem Argumente, warum es auch in Zeiten leerer Kassen wichtig ist, den Betrieb jeder einzelnen freiwilligen Feuerwehr aufrechtzuerhalten.

„Es gibt keine bessere und kostengünstigere Lösung als eine ehrenamtliche Wehr“, brachte es der Landesbrandmeister auf den Punkt. Aufgrund des Landesbrandschutzgesetzes sei jede Stadt und jede Gemeinde dazu verpflichtet, eine funktionierende Wehr vorzuhalten. Alternativen dazu seien Zwangs- und Berufsfeuerwehren. Beide Varianten wiesen jedoch erhebliche Nachteile für den jeweiligen Träger auf.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Zusammenlegung einzelner Feuerwehren und die Zentralisierung zu einer großen Wehr. Eine Option, die sich eventuell für die jeweiligen Gemeinden auf dem ersten Blick rechnet, jedoch verhängnisvolle Folgen für die Bevölkerung haben könnte. Wie in vielen Bereichen des Lebens habe Geschwindigkeit auch im Feuerwehrwesen an Bedeutung gewonnen. Das hänge zum einen mit der Veränderung der Aufgabengebiete zusammen, denn Feuerwehr, das bedeute heute längst nicht mehr ausnahmslos das Löschen von Bränden. Auch bei Verkehrsunfällen, Überschwemmungen und sonstigen Not- und Unglücksfällen verlassen sich die Menschen auf eine schnelle Hilfe.

Zum anderen hätten sich im Lauf der Jahre auch die Brandeinsätze drastisch verändert. Die Verwendung neuer Materialien mit einem anderen Brandverhalten, unter anderen beim Mobiliar, habe die Zeit, die einem Feuerwehrmann für die Rettung einer Person in einem brennenden Haus bleibe, signifikant verkürzt. In einer modern eingerichteten Wohnung benötige ein Feuer gegenüber einer Wohnung aus den 70er Jahren gerade einmal ein Zehntel der Zeit, bis es sich vollständig ausgedehnt hat.

„Die Tagesverfügbarkeit bereitet uns auf dem Land derzeit wohl die größte Sorge“, so Amtsvorsteherin Renate Lüschow. Auf etwa 500 aktive Mitglieder bringen es die 16 freiwilligen Feuerwehren der 20 amtsangehörigen Gemeinden des Amts Itzehoe-Land. „Die Träger der einzelnen Wehren sind äußerst bemüht, die materiellen Wünsche der Wehren nach ihren Möglichkeiten zu erfüllen“, ergänzte die Amtsvorsteherin. „In der Wilstermarsch ist es ähnlich“, erklärte ihr Amtskollege Helmut Sievers. „Auch bei uns müssen die Feuerwehren noch enger kooperieren, da es hier und da an Personal fehlt.“ Einig waren sich die Amtsleiter beider Verwaltungen, dass eine gute Jugendarbeit unabkömmlich für die Zukunft der ehrenamtlichen Feuerwehren ist und es jeder Gemeinde aus ihren Amtsbereichen am Herzen liegt, ihre Feuerwehr zu erhalten.

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erstellt am 08.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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