Beschwingtes Stück in üppiger Kulisse

Viel komödiantischer Einsatz: Simone Landgraf (li.) und Meike Wersig. Foto: Matthießen
Viel komödiantischer Einsatz: Simone Landgraf (li.) und Meike Wersig. Foto: Matthießen

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21. September 2009, 10:11 Uhr

Itzehoe | Bei starkem Besuch in vier Vorstellungen startete die Itzehoer Speeldeel mit dem Schwank "De Stratenkavalier" von Hans Gnant in die neue Saison - das erste Schauspiel im theater itzehoe nach der Spielzeiteröffnung durch die Hamburger Symphoniker. "Veel Ver gnögen" wünschte Bühnenleiter Hans-Peter Kunert den Premierengästen, unter ihnen Peter Schreiber, Vorsitzender des Niederdeutschen Bühnenbundes, und Vertreter zahlreicher befreundeter Speeldeels.

"De Stratenkavalier" ist ein in der Tat vergnügliches, eingängiges Spiel mit kunstvoll verflochtenen Verwechslungen und Missverständnissen. Vordergründig geht es um einen Verkehrsunfall - daher der Titel - und einen Einbruch, eigentlich aber um Ehe- und Liebesprobleme. Dabei gelingt es dem österreichischen Autor, die sechs Akteure - drei Frauen, drei Männer - in jeder nur denkbaren Zweier-Konstellation vorzuführen. Dass am Ende jeder Pott den passenden Deckel hat, versteht sich.

Ein ausgesprochenes "Vergnögen" ist das gefällige Plattdeutsch in der Übertragung von Jan Harrjes. Mit jedem Bonmot wächst die Stimmung. Wer gern lacht, kommt auf seine Kosten. Heiter auch der Schluss, der das Rätsel um den "Stratenkavalier" auf verblüffende Weise löst. Als wahre Augenweide entpuppt sich das Bühnenbild (Heiko Buschow/Jens Gosch), ein mit mancherlei Details hübsch ausstaffiertes Wohnzimmer; im Mittelpunkt eine gemütliche, darum wohl auch vielfältig genutzte Couchgarnitur. Derart üppige Requisiten sieht man im theater itzehoe nur selten. Tournee-Ensembles schätzen leichteres Gepäck.

Ihren großen Erfolg verdankt die Aufführung nicht zuletzt der Regie. Karin Dziwisch inszenierte mit ruhiger Hand, aber auch einem breiten Spannungsbogen. "De Stratenkavalier" ist, relativ handlungsarm, in weiten Teilen ein Dialogstück mit jeweils nur zwei Personen auf der Bühne. Dass sie sich in dem großen Raum nicht verlieren, sondern jede Szene gleichwohl ausgefüllt wirkt, gibt der Einstudierung Schwung statt Statik. Mit einer Fülle von Einfällen kommt auch Situationskomik nicht zu kurz.

Drei Paare, sechs Personen, jede Partie eine Charakterrolle. Mit viel komödiantischem Einsatz beeindrucken Frank Wersig und Simone Landgraf als wandlungsfähige Eheleute König. Herrlich belebend, fröhlich und unbelastet die attraktiven jungen Leute (Natascha Sieberg-Kempfe/Thorsten Lohse). Gut besetzt auch Carsten Dunker (Michael), während Meike Wersig as beschwipste Sabine ein wahres Kabinettsstücken liefert. - Vergnögter, hoch verdienter Applaus im vollbesetzten Parkett.

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