Wirtschaft : Beschlossen: Taxi fahren wird teurer

Er befürwortet die Einführung des Mindestlohns: Taxi-Unternehmer Olaf Völker.
Er befürwortet die Einführung des Mindestlohns: Taxi-Unternehmer Olaf Völker.

Unternehmer beklagen höhere Kosten wegen Mindestlohn

von
06. Januar 2015, 17:11 Uhr

Höhere Preise, ein verringertes Angebot und eine ungewisse Zukunft für Unternehmen und Angestellte − dem Taxigewerbe und dessen Kunden drohen laut Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes harte Zeiten. Schuld soll der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sein, der mit Beginn des neuen Jahres in Kraft getreten ist. Viele Unternehmen rechnen deswegen mit deutlich höheren Kosten und fürchten um ihre Existenz − so auch in Itzehoe. Doch nicht alle stimmen in diesen negativen Tenor ein, es gibt auch ausdrückliche Befürworter der Neuregelung. Fest steht allerdings: Ab dem 1. Februar wird Taxi fahren teurer. Der Kreis Steinburg, der über die Beförderungsentgelte entscheidet, hat vor wenigen Tagen eine Erhöhung der Tarife beschlossen.

„Für uns werden die Zeiten schwerer“, sagt Kai Piechotzke, für dessen Unternehmen aus Lägerdorf auch in Itzehoe Taxis unterwegs. Der Mindestlohn bedeute für ihn eine Steigerung der Lohnkosten um 40 Prozent. Piechotzke wird deutlich: In diesem Jahr bestehe das Unternehmen seit 50 Jahren und er wisse nicht, ob er auch den 51. Geburtstag feiern könne. „Es ist existenzbedrohend.“ Im Endeffekt werde es darauf hinauslaufen, dass − insbesondere im ländlichen Raum − weniger Taxis zur Verfügung stehen und sich die Wartezeit erhöht, so Piechotzke.


Fahrer brauchen zum Gehalt staatliche Unterstützung


Das sieht auch Olaf Völker, Inhaber des gleichnamigen Taxibetriebs in Itzehoe, so. Doch im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen begrüßt er den Mindestlohn ausdrücklich. „Ich finde es gut, dass er kommt.“ Da er bereits jetzt entsprechende Löhne zahle, falle er relativ weich, so Völker. „Wir müssen lediglich leicht nachlegen.“ Elf Mitarbeiter beschäftigt der Taxiunternehmer, der in Itzehoe Konzessionen für sieben Fahrzeuge besitzt. Und Völker geht der Mindestlohn noch nicht weit genug. „Ich bin der Meinung, dass es noch zu wenig ist.“ Denn derzeit müssten viele Taxifahrer ihr Gehalt von der Arbeitsagentur aufstocken lassen. Ein unhaltbarer Zustand, so Völker, der sich durch den Mindestlohn einen „Wettbewerb auf Augenhöhe“ erhofft.

1,43 Euro pro Kilometer kostet eine Taxifahrt im Kreis Steinburg derzeit in der Zeit von 6 bis 22 Uhr, für die ersten drei Kilometer werden jeweils 1,96 Euro fällig. Hinzu kommt ein Grundentgelt von 2,70 Euro. Mit den neuen Tarifen, die am 1. Februar in Kraft treten, steigen die Preise um durchschnittlich 16 Prozent. Konkret bedeutet dies: Das Grundentgelt steigt auf 3,20 Euro, der Kilometerpreis für die ersten 3000 Meter auf 2,25 Euro. Für jeden weiteren Kilometer werden 1,65 Euro fällig. Auch die Wartezeiten werden teurer, wurden bislang 31 Euro pro Stunde berechnet, sind es ab Februar 36 Euro.

Beantragt hat die Erhöhung der Taxiverband. „Aufgrund der Einführung des Mindestlohns führt daran kein Weg vorbei“, sagte der Landesvorsitzende Thomas Krotz im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Kreis Steinburg befindet sich übrigens in guter Gesellschaft. Zahlreiche Kreise und Städte in Schleswig-Holstein haben einer Erhöhung bereits zugestimmt, und auch bei den restlichen geht Krotz davon aus, dass die Erhöhung so bald wie möglich umgesetzt werde.

Die Fahrgäste müssen ab Februar also tiefer in die Tasche greifen. Kai Piechotzke rechnet vor: Für eine Fahrt von Lägerdorf zum Klinikum Itzehoe würden derzeit etwa 19 Euro fällig. Nach der Erhöhung würde der Preis auf rund 21 Euro steigen. „Das ist nicht für jeden zu wuppen“, so Piechotzke, der selbst gespannt ist, wie sich die Umsätze entwickeln. „Denn die Preise zu erhöhen heißt ja nicht, dass automatisch auch die Umsätze steigen.“


Wer kontrolliert die Einhaltung des Mindestlohns?


Mindestlohn-Befürworter Olaf Völker hat noch eine andere Befürchtung: „Ich bezweifle, dass wirksame Kontrollen kommen.“ Denn bereits jetzt sei der Zoll hoffnungslos überfordert, eine flächendeckende Kontrolle also unwahrscheinlich.

Ein weiteres Thema, das die Taxiunternehmer derzeit beschäftigt, ist die Vergütung der so genannten Krankenfahrten. Sprich: Kunden lassen sich auf Kosten der Krankenkasse zum Arzt, ins Krankenhaus oder zur Krankengymnastik fahren. Eine Sondervereinbarung regelt die hierfür gezahlte Vergütung − die allerdings unter dem normalen Beförderungsentgelt liegt. Doch die Einnahmen daraus tragen zu einem erheblichen Teil zu den Umsätzen der Taxiunternehmen bei. Bei Kai Piechotzke ist es etwa ein Drittel. Doch es gebe auch Kollegen, bei denen es bis zu 80 Prozent seien, erläutert Olaf Völker, der klar stellt: „Die Sondervereinbarung muss wirtschaftlich sein, und das ist sie derzeit nicht.“ Die Verhandlungen laufen, Ausgang offen.

Offen ist auch, wie die Fahrgäste auf die höheren Preise reagieren. Völker: „Nur mit Qualität und Service kann man die Kunden davon überzeugen, einen Mehrpreis zu bezahlen.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen