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Gericht : Berufung hat für Gewalttäter keinen Erfolg

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Haftstrafe für 26-Jährigen, Bewährung für Mitangeklagten.

Ein kurzes Hoffen gönnte Strafrichterin Anne-Kathrin Bärhold den beiden Angeklagten noch, als sie nach achteinhalb Stunden Verhandlung das Urteil ihrer Berufungskammer mit dem Satz: „Auf die Berufung der Angeklagten hin wird das erstinstanzliche Urteil abgeändert“ begann. Doch Sekunden später war klar: Am Strafmaß ändert sich nichts. Der 26-Jährige Haupttäter muss wieder ins Gefängnis – für insgesamt zwei Jahre und zwei Monate. Für seinen 25-jährigen Mitangeklagten bleibt es bei neun Monaten Bewährung.

Inhaltlich ging es für die beiden Itzehoer hauptsächlich um eine gemeinsam begangene gefährliche Körperverletzung, die beide trotz erdrückender Zeugenaussagen bestritten. Beschränkt auf das Strafmaß hatte der 26-Jährige zudem Berufung eingelegt für fünf Fahrten ohne Führerschein, wobei er gleich zweimal Unfallflucht beging und einmal auch Menschen zu Schaden kamen.

Rückblende: Eigentlich hätte der zehnfach vorbestrafte, zuletzt 2011 wegen versuchtem Totschlag zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilte 26-Jährige im Sommer 2015 noch im Gefängnis sitzen müssen. Doch er kam nach Zweidrittel-Verbüßung Mitte Juli 2015 auf Bewährung frei. Aber anstatt es fortan ruhig anzugehen, ließ es der 26-Jährige mit seinem 25-jährigen Freund krachen. Letzterer wurde für Gewalttaten (2016 und 2017 begangen) vor drei Wochen am Amtsgericht zu acht Monaten Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt (wir berichteten). Es war seine 15. Vorstrafe.

Die gemeinschaftlich von beiden Schlägern begangene, jetzt in der Berufung verhandelte, gefährliche Körperverletzung ereignete sich am 16. August 2015 im sogenannten Bermudadreieck. Kurz vor 2 Uhr morgens schlugen und traten die beiden Angeklagten am Sandberg einen 27-jährigen Studenten krankenhausreif. Der hatte einer Gruppe Mädchen beistehen wollen, die von den Angeklagten angepöbelt wurden. Gleich zweimal schlugen und traten die Angeklagten auf den Mann ein. Der hatte sich beide Male auf den Boden gelegt, um seinen Kopf zu schützen. Hatte der Amtsrichter den Vorgang noch als eine Tat bewertet, so sah Richterin Bärhold in dem ersten Ablassen eine Zäsur und anstatt einer vielmehr zwei Taten der gefährlichen Körperverletzung erfüllt. Härter ausfallen konnte ihr Urteil dadurch allerdings nicht, da das Verschlechterungsverbot galt – hatte doch die Staatsanwaltschaft keine Berufung eingelegt.

Bei den weiteren Taten des Haupttäters ging es um Verkehrsstraftaten. Obwohl auf Bewährung, blieb der 26-Jährige nach der Gewalttat am Sandberg auf freiem Fuß. Die Folge: Am 2. April 2016 fuhr er ohne Führerschein mit einem BMW durch Itzehoe. Er rammte ein Auto, fuhr weiter in Richtung Autobahn, stieß dort auf der Auffahrt Itzehoe Mitte mit dem Opel eines Rentnerpaares zusammen und beging erneut Fahrerflucht.

Auch danach blieb der 26-Jährige auf freiem Fuß und verursachte am 23. Mai 2016 einen weiteren Unfall: Erneut raste er, wie auch in den anderen Fällen begleitet von dem 25-Jährigen, im BMW durch das Bermudadreieck und prallte gegen eine Hauswand. Der 26-jährige Fahrer hatte dabei 1,43 Promille Alkohol im Blut, der Fremdschaden belief sich auf 10  500 Euro. Dafür gab es eine Bewährungsstrafe, aber erneut keinen Bewährungswiderruf.

Auch jetzt nach der Berufungsverhandlung verließen die Angeklagten als freie Männer das Gerichtsgebäude. Das gibt dem 26-Jährigen die Chance zum Haftantritt als Selbststeller, was wiederum Vergünstigungen wie Freigang schneller ermöglicht. Juristisch bleibt beiden Straftätern noch das Rechtsmittel der Revision gegen das Urteil.

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