Prozess am Amtsgericht Itzehoe : Berufsverbot wegen Kinderpornos

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Ein Itzehoer Rentner speicherte tausende Fotos und Videos. Nun darf er auf Anordnung des Gerichts keine Schulkinder mehr befördern.

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24. Mai 2018, 05:00 Uhr

Als Aushilfe fuhr ein 68-jähriger Itzehoer Rentner für eine gemeinnützige Organisation Schulkinder. Damit ist nun Schluss entschied Strafrichterin Katja Komposch. Denn bei dem Mann wurden tausende kinder- und jugendpornografische Fotos und Videos gefunden. Per Strafbefehl verhängte Komposch zudem eine Bewährungsstrafe gegen den Rentner.

Der wollte sich der der Öffentlichkeit nicht präsentieren und erschien nicht zu seinem vor dem Amtsgericht Itzehoe geführten Strafverfahren. Komposch griff deshalb auf Antrag von Staatsanwältin Jana Bewersdorff zum Mittel des Strafbefehls, um das Verfahren auch ohne den Angeklagten vorläufig zu beenden. Vorgeworfen wurde ihm Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornos. Die Hinweise auf den Itzehoer kamen aus den USA.


US-Behörden lieferten Hinweise

Immer wieder scannen US-Behörden und Organisationen im Kampf gegen die Kinderpornografie das Internet. Dabei geriet Mitte November 2016 der Itzehoer in die digitalen Fänge der Amerikaner. Die leiten ihre Erkenntnisse stets global an die jeweils zuständigen Behörden weiter. Die Itzehoer Kriminalpolizei rückte daraufhin zur Hausdurchsuchung bei dem Mann an und wurde fündig: 4781 Kinder- und 178 jugendpornografische Fotos und Videos wurden laut Anklage bei dem Mann sichergestellt. Darauf zu sehen waren auch Abscheulichkeiten wie die Vergewaltigung eines Säuglings.

Er habe auf dem Flohmarkt eine CD gekauft, auf der zufällig diese Daten gewesen seien. Er selbst sei an Kindern gar nicht interessiert, versuchte sich der Angeklagte zunächst gegenüber den Ermittlern herauszureden. Letztlich, so teilte Richterin Komposch mit, zeigte er sich angesichts der erdrückenden Beweislast gegenüber den Ermittlungsbehörden aber geständig.


Angeklagter bisher ohne Vorstrafen

Komposch verurteilte den bis dato unbescholtenen Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung. Der Mann muss sich zudem der Bewährungshilfe unterstellen und 2000 Euro Geldauflage zugunsten des Freundeskreises Hospiz Dithmarschen in Meldorf überweisen. Darüber, dass er seine Aushilftätigkeit als Fahrer für Schulkinder künftig dauerhaft unterlässt, muss der 68-Jährige bei Gericht eine Bescheinigung vorlegen.

Akzeptiert der Rentner den Strafbefehl nicht, kann er dagegen Einspruch erheben. Dann käme es erneut zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht. Unternimmt er nichts, wird der Strafbefehl einem Urteil gleich nach 14 Tagen rechtskräftig.

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