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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 12:55 Uhr

theater : Berührendes Spiel op Platt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Niederdeutsche Bühne Süsel gastiert mit „Elling“ im theater itzehoe: Zwei Männer müssen sich nach der Entlassung aus der Psychiatrie im Leben zurechtfinden. Schauspieler zeigen beeindruckende Leistungen.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Die Niederdeutsche Bühne Süsel war schon immer für Überraschungen gut. Ausgewählte Stücke in ausgefeilter Inszenierung – der Gastspiel-Partner der Itzehoer Speeldeel ist im theater itzehoe gern gesehen. „Elling“ heißt der jüngste Beitrag, der erneut deutlich machte, dass niederdeutsches Theater nicht nur aus Spaß und Spijök zu bestehen braucht.

Eindrucksvoll schon die Autorenliste. Dem Zweiakter zugrunde liegt der norwegisch geschriebene Roman „Blutsbrüder“ von Ingvar Ambjörnsen. Axel Hellstenius, auch er Norweger, schuf die Bühnenfassung. Die deutsche Übersetzung stammt von Gabriele Haefs. Ins Niederdeutsche übertrugen die Hamburger Dramaturgen Hartmut Cyriacks und Peter Nissen. Und Regisseur Jörn Hilbrecht überrascht mit aktuellen Einsprengseln (etwa zur NSA-Affäre).

Die Süseler kamen mit leichtem Gepäck: nur das Nötigste an Requisiten. Umso größer die Herausforderung an die fünf Darsteller. Eigentlich handelt es sich sogar um ein Zwei-Personen-Stück. Im Mittelpunkt: Elling und Kai-Uwe, die, aus der psychiatrischen Klinik entlassen, sich an das Dasein „draußen“ gewöhnen sollen. Dafür steht ihnen, betreut durch Sozialarbeiter Frank, eine Wohnung zur Verfügung. Schwierig für die beiden, sich zurechtzufinden. Telefonieren etwa bereitet Mühe oder auch Einkaufen. Doch die Therapie wirkt: Kai-Uwe lernt eine Frau kennen, Elling entdeckt die Liebe zur Poesie...

Dem anspruchsvollen Werk (2002 verfilmt und für einen Oscar nominiert) entspricht die subtile Inszenierung. Regisseur Hilbrecht vermeidet laute Töne ebenso wie ins Leere laufende lange Dialoge. Nichts wirkt übertrieben, auch nicht die (vom Publikum gern mit Lachen quittierten) komödiantischen Aspekte. Großes leisten die Darsteller, allen voran Matthias Bull als Elling. Der freiberufliche Schauspieler, neu im Süseler Ensemble, gibt eine Studie des noch von der „Klapsmühle“ Gezeichneten, die unter die Haut geht. Großartig gestaltet die Monologe, die, von Beleuchtungseffekten begleitet, sein Inneres wiedergeben. Als Kai-Uwe ist Detlef Storm das genaue Gegenteil: mit stoischer Ruhe auf handfeste Vorteile bedacht. Überzeugend besetzt auch die (mehr als) Nebenrollen: Roman Röpstorff (Frank), Britta Burchard (Kellnerin) und, besonders, Brigitte Barmwater (Gunda/Heidrun).

Viel verdienter Beifall und Blumen. Danach noch ein Auftritt: Bull dankte an der Rampe für das Gastspiel „in diesem traumhaft schönen Ambiente“.

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