Berühmter Bildhauer des Königs in Glückstadt

Denny Krietzsch Foto: reimers
Denny Krietzsch Foto: reimers

Kunsthistoriker Denny Krietzsch informiert bei der Detlefsen-Gesellschaft über Jürgen Kriebel

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27. November 2012, 08:03 Uhr

Glückstadt | König Chris tian IV. holte einen der berühmtesten Bildhauer nach Glückstadt: Jürgen Kriebel, auch bekannt unter Georg Kriebel. Er sorgte unter anderem für die Ausstattung des Schlosses und des Gartens. Seine Werke sind heute noch unter anderem im Bremer Dom zu sehen.

"Kriebel ist zurzeit in aller Munde", sagt Denny Krietzsch. Der Leipziger Kunsthistoriker ist extra nach Glückstadt zur Detlefsen-Gesellschaft gekommen, um über den Bildhauer zu sprechen, der von 1583 bis 1645 lebte. Bereits im Jahr 1631 wurde der "renommierte und weithin bekannte Bildhauer" zum Hofbildhauer ernannt und hatte seine Werkstatt in Glückstadt - mit zahlreichen Angestellten. "Glückstadt wird in einem anderen Lichte erscheinen", erklärte der Kunsthistoriker über die aktuellen Forschungen zu Kriebel, die ihn jetzt wieder bekannt machen.

Bekannt ist, dass der Bildhauer das Bett von König Christian IV. anfertigte. "In hoher, exzellenter Qualität." Nur sei bei vielen seiner Kunstwerke aus der Glückstädter Zeit der Verbleib ungeklärt.

"Bis zu seinem Tode war er überwiegend mit dekorativen Skulpturen beschäftigt - hauptsächlich am Ausbau des Schlosses, dem Lusthaus am königlichen Hügel, an den Anlagen im Schlossgarten und am Turm. Nach den Rechnungsbeträgen dürfte es sich um recht umfangreiche und prunkvolle Arbeiten gehandelt haben." Leider gäbe es auch im Kopenhagener Reichsarchiv keine Hinweise auf den Verbleib der Plastiken.

"Seine Herkunft und seine künstlerische Ausbildung liegen weithin im Dunkeln", berichtet Krietzsch. Erstmals sei sie ab 1614 nachweisbar bei Hofkünstler Sebastian Walther (1576-1645) in Dresden. "In der Werkstatt Walthers könnte Kriebel seine Ausbildung durchlaufen haben." Die starke Verbindung zur frühen Magdeburger Schule - Magdeburg galt als geistig kulturelles Zentrum - legen zumindest zu einem späteren Zeitpunkt eine Mitarbeit in einer der renommierten Bildhauerwerkstätten nahe, so Denny Krietzsch.

In der Kunstgeschichte wird Kriebel mit der Taufe der St. Thomaskirche (1614) zu Leipzig bekannt. Aus den Kirchenrechnungen geht hervor, dass Kriebel bereits zu dieser Zeit eine Werkstatt und Gesellen in Magdeburg unterhielt. "Er muss sich 1614 schon eines gewissen Rufes erfreut haben, ansonsten hätte er den Auftrag in Leipzig nicht erhalten", sagt der Kunst historiker.

Bekannt sind auch die Auftragswerke in Hamburg, wie der 1627 geweihte Kanzel altar der Waisenhauskirche und der 1630 geschnitzte, riesige Rahmen zum Gemälde "Der Tempel in Jerusalem" von Gabriel Engels für die Katharinenkirche. "Die Vermutung, dass es sich bei der Kanzel in der Glück städter Stadtkirche um das Werk Kriebels handelt, hält bei genauer Betrachtung nicht stand. Vom Aufbau und von den Motiven deutlich der Bremer Kanzel angelehnt, unterscheidet sie sich sowohl hinsichtlich der Betonung der tektonischen Elemente wie auch in der Haltung und Bewegtheit der Figuren."

Erhalten sind die Kanzel des Bremer Domes und als letzte signierte Arbeiten Kriebels die Kanzel, Empore und Taufe in der Kirche in Otterndorf an der Elbe aus dem Jahr 1644.

In der Diskussion erzählte Renate Grüttner, dass jüngst Verwandte des Bildhauers aus Norwegen auf den Spuren Kriebels in Glückstadt waren. Sie suchten in der Stadtkirche nach Werken.

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