Nord-Ostsee-Kanal : Bergungsarbeiten auf Hochtouren

Mit Schiffen wie der Pictor J können jetzt auch Schiffe der Klasse 6, der größten Klasse auf dem Kanal, die Siderfly problemlos passieren.
Mit Schiffen wie der Pictor J können jetzt auch Schiffe der Klasse 6, der größten Klasse auf dem Kanal, die Siderfly problemlos passieren.

Nach der Havarie der Siderfly vor einer Woche im Nord-Ostsee-Kanal: Ein Teil der Ladung von 3800 Tonnen Harnstoff ist bereits über Schuten abtransportiert worden.

shz.de von
04. November 2013, 05:00 Uhr

Gute Fortschritte machen die Bergungsarbeiten an der vor einer Woche im Nord-Ostsee-Kanal havarierten Siderfly. „Die Bergungsarbeiten gehen planmäßig weiter“, meldete das Havariekommando Cuxhaven gestern. Inzwischen wurde der erste Lukendeckel des zweiten Laderaums geöffnet und mit der Löschung der Ladung (3800 Tonnen Harnstoff) begonnen. Sobald die Laderäume leer sind, soll mit den Taucharbeiten begonnen werden, damit die Lecks im Schiffsrumpf sobald wie möglich geschlossen werden können.

Vier geradezu ins Erdreich verkrallte Bagger, ein riesiger Traktor und drei vergrabene Anker halten die Siderfly (100 Meter lang, 14 Meter breit) mit gut einem Dutzend Stahltrossen, Ketten und Tauen am Ufer fest, sichern den Frachter am Nordufer des Kanals gegen ein Abrutschen ins Fahrwasser.

Von einem Ponton aus greift seit Sonnabendnacht ein Bagger in die Laderäume der Siderfly und holt eine Schaufel nach der nächsten an Harnstoff heraus, hebt das mit Wasser vermengte Ladegut auf Schuten der Brunsbütteler Schlepperfirma Schramm. Drei holländische Bergungsexperten sagen, was wann getan werden muss, was gebraucht wird.

Seit einer Woche liegt die Siderfly nun kurz vor der Hochbrücke bei Brunsbüttel an der Kanalböschung. Sie war gegen etwa 2.30 Uhr in der Nacht zum 28.Oktober nach einer Kollision mit dem Gastanker Coral Ivory (116 Meter lang, 16 Meter breit) Leck geschlagen, schaffte es gerade noch aus dem Fahrwasser an die Böschung, denn das oberste Gebot bei Kollisionen im Nord-Ostsee-Kanal lautet: Das Fahrwasser muss frei bleiben. Die Coral Ivory riss mit ihrem Bugwulst im vorderen Bereich der Siderfly auf der Backbordseite ein fünf mal acht Meter großes Loch in die Bordwand, beschädigte dabei Laderaum und einen Dieseltank. Es soll zudem im hinteren Bereich ein weiteres Loch geben. Das teilte Michael Friedrich, Sprecher des die Bergung beaufsichtigenden Havariekommandos aus Cuxhaven mit.

Vom ausgelaufenen Diesel sind nur noch minimale Spuren auf dem Wasser zu sehen. Eine Ölsperre umschließt die Siderfly, falls doch noch was ausläuft. Der beschädigte Tank wurde abgepumpt. Auch der Maschinenraum ist gelenzt. Ein weiterer intakter Tank ist sicher verschlossen. Jetzt geht es darum, die Ladung zu bergen, damit das Schiff leichter wird und man endlich einen Blick auf die Löcher werfen kann. Taucher waren bereits vor Ort, aber noch nicht unter Wasser.

3800 Tonnen Harnstoff in Pulverform hat die Siderfly geladen. Die Ladung ist bereits versteigert, ein erster Laderaum leer. Bis Mitte der Woche wird es voraussichtlich dauern, die Ladung zu löschen. Ein Team der Feuerwehr Brunsbüttel ist ständig an Bord, denn beim Kontakt des Harnstoffs mit dem Wasser kommt es zu Gasbildung. Auch gilt es, die Neigung des Schiffs stets im Blick zu haben, kann das Löschen doch darauf Einfluss nehmen. Die Schlagseite beträgt 22 Prozent.

Ein Riesenschritt auf dem Weg zurück zur Normalität war die Freigabe des gesperrten Kanals. Seit Donnerstagmittag läuft der Verkehr wieder. Im Schritttempo passieren die Schiffe den Havaristen. Große Schiffe unterstützt der vor Ort liegende Schlepper Parat und sorgt so für eine sichere Passage. Wann die Siderfly abgeschleppt werden kann, konnte Friedrich noch nicht beantworten.

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