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Legendäres Duell im DFB-Pokal : Belgischen Millionen-Mann an die Kette gelegt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor 41 Jahren im Itzehoer Lehmwohldstadion: In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals zeigte ISV-Verteidiger Dieter Pape gegen Roger van Gool vom 1. FC Köln eine beeindruckende Leistung.

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erstellt am 24.Apr.2017 | 15:58 Uhr

Es war ein herrlicher Sommertag, der 8. August 1976, an dem im Itzehoer Lehmwohldstadion eines der größten Fußball-Ereignisse in der Vereinsgeschichte des Itzehoer SV stattfand und über 8000 Zuschauer anlockte. Der ISV war nach dem Landespokalsieg in der Saison 1975/76 in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals eingezogen und hatte mit dem Bundesligisten 1. FC Köln ein Traumlos gezogen. Die Kölner waren damals mit deutschen Nationalspielern wie Toni Schumacher, Hennes Löhr, Wolfgang Overath, Bernd Cullmann, Karlheinz Flohe und Wolfgang Weber nur so gespickt und hatten mit dem belgischen Nationalspieler Roger van Gool gerade einen Millionen-Transfer vom FC Brügge an Land gezogen.


Als Neuzugang in der Startelf

Der ISV spielte vor fast 41 Jahren in der damals drittklassigen Amateuroberliga. Für die Saison 1976/77 hatten die Itzehoer insgesamt zehn Neuzugänge zu verzeichnen. Einer von ihnen war Linksverteidiger Dieter Pape. Der gebürtige Wedeler wechselte vom Hamburger Bezirksligisten TSV Wedel an den Itzehoer Lehmwohld. Als einziger Neuzugang in jenem Jahr bekam Pape im Spiel gegen den 1. FC Köln einen Platz in der Startelf des ISV. Seine Aufgabe: Die Kreise des bis dahin teuersten Einkaufs in der Bundesliga, Roger van Gool, einzuengen.

„In den ersten zehn Minuten hat mich der kleine dribbelstarke belgische Flügelflitzer regelrecht schwindelig gespielt. Roger van Gool hatte drei Top-Chancen, traf unter anderem die Lattenunterkante in Wembley-Manier. Da hatte ich schon gedacht, die Aufgabe packe ich nie“, erinnert sich der heute 63-jährige Pape. Mit zunehmender Spieldauer stellte er sich aber immer besser auf den Neu-Kölner ein und sorgte mit einer exzellenten Abwehrleistung dafür, dass van Gool im weiteren Spielverlauf kaum noch zur Geltung kam. Der ISV verlor das Pokalspiel am Ende zwar standesgemäß mit 0:7, doch Millionen-Mann van Gool erzielte keinen Treffer. Pape: „Die große positive Bewertung, die ich für meine Leistung von allen Seiten bekam, erfüllt mich natürlich auch heute noch mit Stolz.“

Insgesamt hatte sich der ISV in einer für die Zuschauer mitreißenden Begegnung – trotz hochsommerlichen Temperaturen war es kein Sommerkick – ganz hervorragend präsentiert. 38 Minuten hielt der ISV sogar ein 0:0. Auch Spieler wie Hauke Ohlsen (gegen Hennes Löhr) und Hans-Jürgen Karzimirow (gegen Wolfgang Weber) sowie der überragende Reimer Meier im Tor wuchsen gegen den späteren DFB-Pokalsieger dieser Pokal-Runde über sich hinaus. „Nur eines gelang uns an jenem Sonntagnachmittag leider nicht, einen Ehrentreffer zu erzielen“, bedauert Dieter Pape.

Weniger erfreulich war der Auftritt des ZDF. Der Mainzer Fernsehsender hatte mit großem Aufwand und einer Schar von 20 Mitarbeitern Sendemast und Kameras aufgebaut. Geplant war eine Zusammenfassung vom Spiel in der ZDF-Sport-Reportage, doch in letzter Minute wurde die Planung der Fernseh-Leute abgeblasen, weil im Lehmwohldstadion angeblich vertragswidrige, zusätzliche Werbung installiert worden war. Es gab daher keine Fernsehbilder vom Spiel. Später verlor das ZDF übrigens den vom ISV angestrengten Rechtsstreit und musste trotz fehlender Übertragung eine fünfstellige Summe zahlen. Das Medien-Interesse war dennoch groß und zumindest im Radio durch die Live-Reportage von NDR-Mann Gerd Linz fand die Partie neben der Berichtserstattung der vielen Kollegen der schreibenden Zunft einen großen Niederschlag.

Für Dieter Pape, der nach Itzehoe kam, weil er im Kreis Steinburg seine Frau Ingrid kennengelernt und im Stadtteil Wellenkamp ein Haus gekauft hatte, war die Zeit seiner Fußballerlaufbahn beim Itzehoer SV nur von relativ kurzer Dauer. Gegen Ende der Spielzeit 1976/77 hatte sich Pape, der von 1972 bis 1980 acht Jahre lang beim Bundesgrenzschutz beschäftigt war und dort in die deutsche Polizeiauswahl berufen wurde, nach einer schweren Knieverletzung einen erst später diagnostizierten Kreuzbandriss zugezogen. Weitere Verletzungen begleiteten damals seinen gesundheitlichen Leidensweg mit insgesamt sechs Operationen, so dass ihm sein behandelnder Arzt damals riet, mit dem Leistungssport aufzuhören.


Ex-Fußballer ist heute Kommunalbeamter

Beim SV Wellenkamp arbeitete Pape nach seiner aktiven Zeit noch zehn Jahre als Jugendtrainer und begleitete seine inzwischen erwachsenen Söhne, die an der Christian-Lohse-Straße beim SVW die Leidenschaft ihres Vaters nacheiferten.

Für Dieter Pape, der nach seiner Zeit beim BGS 1980 als Beamtenanwärter eine Ausbildung für den gehobenen Dienst bei der Kreisverwaltung Steinburg absolvierte und heute dort als Ordnungsamtsleiter beschäftigt ist, wird das Jahrhundert-Highlight der Itzehoer Fußballgeschichte immer in bester Erinnerung bleiben. Pape löste eine große Herausforderung gegen einen internationalen Top-Stürmer der damaligen Zeit, der unter Trainer Hennes Weisweiler mit dem 1. FC Köln drei Titel (Deutscher Meister 1978, zweimal Pokalsieger 1977 und 1978) holte, mit einer absolut respektvollen Leistung.

Eine Herkules-Aufgabe war dieses Jahrhundert-Spiel auch für Polizei und Ordnungsdienst. Unvorstellbar aus heutiger Sicht, wo Zuschauerzahlen bei Fußballspielen am Lehmwohld seit Jahren im unteren dreistelligen Bereich zu verzeichnen sind, wie über 8000 Besucher die An- und Abfahrt bewältigt sowie das Abstellen ihrer Fahrzeuge hinbekommen haben. Die Polizei hatte damals 24 Beamte im Einsatz. Mit zahlreichen Presse-Veröffentlichungen wurden Itzehoer Fans gebeten, ihre Autos zu Hause zu lassen, was die meisten Anhänger dann auch tatsächlich beherzigten. Später lobten die „Hüter der Ordnung“ das disziplinierte Verhalten aller Besucher.
 

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