Kreisparteitag : Bekannt für rote Socken in Sandalen

Die Willy-Brandt-Medaille hatte der Landesvorsitzende Ralf Stegner (re.) für den scheidenden Kreisvorsitzenden Rudolf Riep mitgebracht.
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Die Willy-Brandt-Medaille hatte der Landesvorsitzende Ralf Stegner (re.) für den scheidenden Kreisvorsitzenden Rudolf Riep mitgebracht.

Rudolf Riep ist nicht mehr Kreisvorsitzender der SPD in Steinburg – nach 14 Jahren will er sich auf seine Aufgabe als Fraktionschef im Kreistag konzentrieren. Seine Nachfolgerin ist Karin Thissen.

shz.de von
11. Mai 2015, 17:29 Uhr

„Es gibt wohl kaum einen Zweiten, der zum Anzug rote Socken in Sandalen trägt“, sagte der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner beim Kreisparteitag in Heiligenstedten. Dafür sei er sogar auf Landesebene bekannt: Gemeint war Rudolf Riep, den Stegner in launigen Worten aus seinem Amt als Parteivorsitzenden verabschiedete. 14 Jahre lang stand Riep an der Spitze der Genossen im Kreis Steinburg. Sogar die höchste Auszeichnung der Sozialdemokratie, die Willy-Brandt-Medaille, hatte Stegner für den überzeugten Genossen, bei dem die roten Socken „mitnichten nur eine Äußerlichkeit“ seien, mitgebracht. „Rudi hat in der Partei schon hinter jedem Busch gesessen“, sei immer 100 prozentig verlässlich, scheue aber auch kein kritisches Wort, beschrieb der Landespolitiker. „Das findet sich selten in der Politik.“

Allerdings verschwindet Riep keineswegs von der politischen Bühne. Dort wird er auch künftig einiges mitzureden haben. „Ich habe meinen politischen Traumjob endlich erreicht“, sagte Riep, der künftig als Chef der SPD-Kreistagsfraktion agieren wird. Zur Amtszeit von Rainer Naudiet habe er diesen Posten nie angestrebt, aber jetzt freue er sich umso mehr auf diese Aufgabe, sagte der 62-Jährige.

Wie sicher sich Rudolf Riep, der bereits seit mehr als 20 Jahren dem Steinburger Kreistag angehört, auf dem politischen Parkett bewegt, stellte der Lehrer in seinem Fraktionsbericht unter Beweis. Dabei nannte er die beiden zentralen Themen, die die Genossen in Steinburg vornehmlich beschäftigt haben und zum Teil weiter für Gesprächsstoff sorgen werden. In Sachen Kreishaus gelte es eine Lösung zu finden. Dabei sollen auch die Bürger bei der Entscheidungsfindung mitgenommen werden (siehe unten). Für die SPD stünden drei Fragen im Vordergrund: Wie wirkt und funktioniere es für die Bürger? Wie sind die Bedingungen für die Menschen, die dort arbeiten? Wie fügt sich das Kreishaus ins Stadtbild ein und was wird aus der Kreisstadt? Eine Teilantwort gab Riep denn auch gleich mit, indem er berichtet, die SPD favorisiere mehrheitlich die Quartierslösung, also den jetzigen Standort.

Ein weiteres Thema bleibe die Kreisumlage, die in der kommunalen Familie für Krach gesorgt habe. Riep rechtfertigte noch einmal das Vorhaben, die Kreisumlage zu erhöhen, bis durch unvorhergesehene Mehreinnahmen doch darauf verzichtet werden konnte. „Es ist von niemanden in bösem Willen gehandelt worden. Wir haben auf Grundlage unserer damaligen Kenntnisse entschieden.“ Jetzt müsse der Familienkrach allerdings auch beigelegt werden, forderte Riep, der aber auch warnte davon auszugehen, dass dieses Thema jetzt „auf Jahre vom Tisch wäre“.

Neue Kreisvorsitzende ist Karin Thissen, die inzwischen auch für die SPD in den Bundestag nachgerückt ist. Damit löst sie im Kreis Steinburg Ernst Dieter Rossmann ab. Der Kreis Pinneberger hatte mangels eines eigenen Abgeordneten den Nachbarkreis mitbetreut.

In ihren Grußworten berichteten Rossmann und Stegner aus Landes- und Bundespolitik und warben dabei auch für Vizekanzler Sigmar Gabriel und sein Handeln. Die große Koalition trage eine deutliche sozialdemokratische Handschrift. Die Pkw-Maut, so erklärte Stegner, würde ohnehin vom Europäischen Gerichtshof in Brüssel kassiert, das Betreuungsgeld werde beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe scheitern. Und ein Freihandelsabkommen Ttip werde es nur geben, wenn die deutschen Standards darin berücksichtigt würden. Für die Sozialdemokraten sei das Glas halbleer, wenn es um die Prozentzahlen bei den Wahlen ginge. Aber es sei halbvoll, wenn man sehe, dass die SPD in 14 von 16 Landesparlamenten mitregiere, so Stegner.

Rossmann forderte: „Es ist Aufgabe von uns, die soziale Gerechtigkeit in allen Facetten der Politik mit durch zu buchstabieren.“ An Karin Thissen gerichtet sagte der Sozialdemokrat: „Wir freuen uns auf dich in Berlin und wissen, dass du deine Kompetenzen gut einbringen kannst.“ Zudem freute er sich, dass die Westküste von Nordfriesland bis Pinneberg nun wieder fest in „sozialdemokratischer Hand“ sei.

>Wahlen: Neue Kreisvorsitzende ist Karin Thissen (47 Ja-, 15 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung), neuer Stellvertreter Lothar Schramm (61/2/-), Schatzmeister Jürgen Barnbock (59/-/- ,Wiederwahl), Schriftführerin Heike Kühl (55/2/- ,Wiederwahl), neuer Pressesprecher Tobias Falk (49/7/2), Organisationsleiterin Gerlinde Böttcher-Naudiet (49/7/2 ,Wiederwahl); Beisitzer sind künftig Manuela Streich, Marius Dowro, Klaus Kruse, Rolf Naumann, Arne Engelbrecht und Klaus Hass.

Ehrungen: Den Ehrenteller der Kreis-SPD erhielten Karin Hill, die seit 45 Jahren in der Partei ist, und in Abwesenheit Bärbel Juister, die sich seit mehr als 30 Jahren bei den Sozialdemokraten engagiert.

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