Stromleitung : Beitrag zur Energiewende

Gemeinsamer Druck auf den roten Knopf zur Freigabe der neuen Leitung: Minister Robert Habeck (re.) und Andreas Fricke (Eon Netz).
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Gemeinsamer Druck auf den roten Knopf zur Freigabe der neuen Leitung: Minister Robert Habeck (re.) und Andreas Fricke (Eon Netz).

Erstes Teilstück der 110-Kilovolt-Leitung für Windstrom ist in Marne ans Netz angeschlossen . Zwölf Millionen Euro, davon neun Millionen für das Erdkabel, werden in nur sechs Monaten verbaut.

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19. November 2013, 17:00 Uhr

Sie ist der erste realisierte Baustein des Netzausbaus an der Westküste in Schleswig-Holstein, die rund 5,5 Kilometer lange 110-kV-Kabelverbindung von Dieksanderkoog nach Marne. Gestern gab Energiewendeminister Robert Habeck die Stromtrasse frei.

„Das ist ein Meilenstein im Netzausbaukonzept in Schleswig-Holstein“, betonte Andreas Fricke, Geschäftsführer der Eon Netz. Denn die Leitung dient ausschließlich dem Transport von Windstrom. Die 360 Megawatt Leitungskapazität des derzeit modernsten Erdkabels bundesweit reichten aus, um Flensburg, Kiel und Lübeck zusammen mit Strom zu versorgen, so Fricke. Vor allem aber: Das neun Millionen Euro teure Kabel markiere den Start für das so genante 9000-Megawatt-Konzept an der Westküste. So viel Energie soll die gesamte Trasse entlang der Westküste nach der Fertigstellung durchleiten. Der nächste Abschnitt verläuft zwischen Marne und dem Umspannwerk Süderdonn bei St. Michel, eine neun Kilometer lange Trasse.

Mit dem Erdkabel greift Eon Netz tief in die Tasche, die armdicke Leitung, deren Kern aus Aluminium besteht, kostet fünfmal so viel wie eine Freileitung. Die Verwendung eines in einer Tiefe von etwa 1,20 Metern verlegten Erdkabels ist aber Bestandteil eines Konzepts, das in der Küstenregion in einem 20 Kilometer breiten Streifen Erdkabel vorsieht.

„Das ist die akzeptierte Form des Ausbaus“, erklärte Minister Habeck. Bei der geplanten Höchstspannungsleitung mit 380 Kilovolt sei dies jedoch nicht möglich. Dort werde es bei Freileitungen bleiben. Habeck weiß: „Es ist nicht jeder damit zufrieden.“ Der Energiewendeminister ist aber zuversichtlich, Überzeugungsarbeit leisten und noch viele Kritiker ins Boot holen zu können.

Denn am Bedarf der neuen Leitungen im Zuge der Energiewende gebe es keinen Zweifel. „Es ist ein gigantisches Infrastrukturprojekt.“ Dabei dürfe nicht allein nach den Kosten gefragt werden. Die Stromtrasse für die an Land erzeugte Windenergie sei auch ein Wirtschaftsversprechen. Habeck verglich dies mit dem Aufbau Ost nach der Wende. Von Kosten rede inzwischen niemand mehr, sondern von dem, was die Wiedervereinigung gebracht habe. Sein Fazit: Wenn auch die 380-kV-Leitung fertig gestellt sei, werde Schleswig-Holstein seine Hausaufgaben zur Energiewende gemacht haben.

Stolz ist Andreas Fricke, dass die Leitung in kürzester Zeit unter die Erde gebracht werden konnte. Gerade mal sechs Monate habe dies gedauert. Zudem wurde das Umspannwerk Dieksanderkoog völlig neu gebaut und das Umspannwerk Marne-West entsprechend erweitert. Landesweit sei geplant, weitere 100 Kilometer neuer Leitungen zu bauen und 60 Kilometer vorhandene Leitungen zu ertüchtigen. Rund 70 Millionen Euro werde das Investitionsvolumen betragen.

Eon Netz verspricht sich von den ausgebauten Stromtrassen auch eine Entschärfung der Situation an den Windparks. Allein in Dithmarschen werden rund 1200 Megawatt Windenergie erzeugt. Nicht immer können diese Strommengen auch ins Netz eingespeist werden. So war zur Entlastung des vorhandenen Netzes in den vergangenen Jahren auch an einer – bei vielen betroffenen Anliegern sehr umstrittenen – 110-kV-Leitung von Heide nach Pöschendorf im Kreis Steinburg geplant worden. Die ist nun durch das neue Konzept überflüssig geworden.

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