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Norddeutsche Rundschau

20. September 2017 | 16:44 Uhr

Wilster : Beim Jahrmarkt läuft alles rund

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Aufbau-Rundgang mit dem neuen Marktmeister Lars Bleker / Alle freuen sich auf das Einläuten morgen um 16 Uhr

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 05:22 Uhr

Für einen kurzen Plausch mit den Schaustellern ist immer eine Minute Zeit. Zum wiederholten Male dreht Lars Bleker seine Runde auf dem Colosseumsplatz. Für den Mitarbeiter des Amtes Wilstermarsch, der sich sonst im Bauamt mehr um Sanierungsarbeiten in Sporthallen kümmert, ist es Neuland, seitdem er in die Fußstapfen von Manfred Moltzau getreten ist. Der langjährige Marktmeister steht mit Blick auf den nahenden Ruhestand nur noch beratend zur Seite. „Es kribbelt schon ein bisschen“, meint Lars Bleker, der es mit einer ebenso selbstbewussten wie erfahrenen Klientel zu tun hat.

„Läuft alles rund“, beruhigt Ingo Fahrenkrug, der in aller Seelenruhe über den Platz schlendert. Der Schausteller wird die Besucher wieder mit seinem beliebten Burgunderschinken versorgen. Die Bude in zentraler Lage steht schon. Seine Familie gehört beim Wilster Jahrmarkt schon fast zum Inventar. „Auf dem Dachboden habe ich mal ein Plakat mit der Aufschrift ,75 Jahre Wilster Jahrmarkt’ gefunden. Wir sind also wohl schon sehr lange dabei“, meint Fahrenkrug auf eine entsprechende Frage. So wie er schon als kleiner Junge immer mit unterwegs war, sind das jetzt auch seine Kinder im Alter von sieben und zweieinhalb Jahren. „Jede Woche eine andere Schule“, berichtet er, wie die Schausteller das mit dem Unterricht für ihre Sprösslinge regeln. Es sei denn, der Rummel findet heimatnah statt. Dann regeln Fahrenkrug und Bleker auch schon wieder das Tagesgeschäft. Enten-Angeln kommt noch. Remmi-Demmi soll da drüben hin. Aber möglichst geschickt an die Geisterbahn anpassen.

Im Vorfeld hatte der Marktmeister die unterschiedlichen Stellplätze auf dem Pflaster markiert. 64 Schausteller mit ihren Fahrgeschäften und Buden müssen so untergebracht werden, dass alle zufrieden sind und es ein abgerundetes Bild gibt. „Das ist ein Wetter, das uns glücklich macht“, meint Ingo Fahrenkrug noch. An diesem Tag halten sich Sonne wie Regen zurück.

„Eigentlich laufen die Vorarbeiten schon seit einem Jahr“, sagt Lars Bleker. Der Endspurt war dann recht entspannt – auch weil viele Schausteller am vergangenen Wochenende keine Termine hatten und so frühzeitig und in aller Ruhe aufbauen konnten. Da blieb dann auch reichlich Zeit, zum Beispiel die Autos in der Kinder-Achterbahn wieder flott zu machen. So hatte Marco Lange nach dem Aufbau seines Fahrgeschäfts erst einmal ölverschmierte Hände. „Jedes Auto hat seinen eigenen Antrieb. Dass diesmal fünf gleichzeitig gewartet werden mussten, ist aber eher die Ausnahme“, lacht der Neumünsteraner. Auch er ist dennoch zufrieden. „Läuft alles rund“, bescheinigt Lange dem Marktmeister gute Vorplanung. Auch er ist schon seit vielen Jahren in Wilster dabei, genauso wie sein Bruder, der in der Sonninstraße die Waffelbäckerei betreibt. „Wenn der Jahrmarkt losgeht, gibt es dort immer eine Riesenschlange“, weiß der Marktmeister um die Beliebtheit der Rummel-Backwaren.

„Da drüben fährt der Elektriker“, erläutert Lars Bleker die technische Infrastruktur. Die Fahrgeschäfte bekommen alle eine eigene Stromversorgung, um die Wasseranschlüsse kümmern sich die Stadtwerke. Dass der Jahrmarkt für wenige Tage auch ein großer Arbeitgeber ist, bekommt man fast nicht mit. „150 bis 200 Leute“, rechnet Ingo Fahrenkrug schnell hoch. Neben den alteingesessenen Schaustellerfamilien sind auch zahlreiche Auf- und Abbauhelfer im Einsatz. Es sei, so räumt er ein, nicht immer leicht, genug Mitarbeiter zu bekommen. Vor allem während der Spargelernte.

„In die Lücke kommt noch der Cowboy-Saloon. Der ist auch neu“, macht Marktmeister Bleker derweil deutlich, dass man in Wilster immer versuche, Abwechslung ins Angebot zu bekommen. Neu seien in diesem Jahr auch das Horror-Labyrinth, der Superhopser und der Dschungelexpress. Immerhin hat man ja auch einen Ruf zu verteidigen. Der Jahrmarkt, so versichert Bleker, sei noch immer der größte seiner Art an der Westküste. Seinen besonderen Charme gewinne er zudem durch das Umfeld mit dem historischen Colosseum. Hier sorgt Pächterfamilie Mehrens drei Tage lang für Stimmung. Auch die Bühne im Trichtergarten steht schon seit Wochenbeginn. „Sehr professionell“, lobt Bleker. Hier gibt es an allen Tagen Musik und Unterhaltung für alle Altersgruppen. Auch die Vorfreude in der Bevölkerung, so hat der Marktmeister, festgestellt, sei schon groß. „Viele freuen sich wirklich auf den Jahrmarkt.“

Morgen Vormittag geht es bei der Abnahme durch die Ordnungsbehörden allerdings erst noch einmal ganz offiziell zu. Große Überraschungen sind da aber nicht zu erwarten. Schausteller und Stadt sind inzwischen ein eingespieltes Team. Ein Augenmerk gilt dabei vor allem den Rettungswegen. Morgen wird der Jahrmarkt feierlich eingeläutet. Bis Dienstag herrscht hier dann – so hoffen alle – buntes Treiben mit vielen Menschen. Dann ziehen viele Schausteller weiter nach Süderbrarup. „Und bis 24. Dezember geht es Schlag auf Schlag.“ Jetzt freut er sich wie seine Schausteller-Kollegen aber erst einmal auf das Einläuten morgen um 16 Uhr.

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