Fussball in Itzehoe : Beim ISV gehen die Lichter aus

Gut ein halbes Jahr  ist es her: Nach dem Aufstieg in die Verbandsliga feiert das Team mit Kapitän Wiegand Leskien.
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Gut ein halbes Jahr ist es her: Nach dem Aufstieg in die Verbandsliga feiert das Team mit Kapitän Wiegand Leskien.

Offene Rechnungen und viel zu hohe Kosten: Itzehoer Traditionsclub muss Insolvenz anmelden.

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13. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Böse Weihnachts-Überraschung beim Itzehoer Sportverein (ISV): Der Traditionsfußballclub ist zahlungsunfähig und muss bis Freitag Insolvenz anmelden. Die Lichter im Sportheim am Lehmwohld könnten sogar bereits heute ausgehen, wenn die Stadtwerke ihre Drohung wahr machen und den Strom abschalten.

Vorsitzender Stephan Ulrich teilte die Hiobsbotschaft am Montag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit. In einer Power-Point-Präsentation machte der im August als Hoffnungsträger gestartete neue Vereinschef deutlich, wie hoffnungslos die Lage ist. Es habe eine Menge Zeit und Mühe gekostet, sich einen Überblick über die tatsächliche wirtschaftliche Lage zu verschaffen. Den nun erreichten Wissensstand wolle er den Mitgliedern mitteilen, begann Ulrich.

Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung noch gut, doch sie verschlechterte sich immer mehr, je mehr Zahlen auf den Tisch kamen. Allein im Dezember hat der ISV mehr als 60 000 Euro an offenen Rechnungen. Zieht man davon eine Barspende ab, bleibt immer noch ein Minus von knapp 43 000 Euro. Die größten Posten sind dabei Energiekosten, Gebäudeerhaltung, Forderung des Finanzamtes, Verbandsabgaben und Alt-Verbindlichkeiten. Ex-Vorsitzender Hauke Ohlsen zweifelte die Zahlen zwar an, doch der ehemalige Schatzmeister Uwe Reese ließ keinen Zweifel daran, dass alles richtig sei. In einigen Fällen sei sogar noch mit zu wenig Kosten kalkuliert worden.

Ulrich und sein Team hatten natürlich auch einen Ausblick vorbereitet, der bis Dezember 2018 einen Finanzbedarf von fast 80 000 Euro vorsieht – eine Summe, die der Verein niemals allein erwirtschaften könne, erklärte Schatzmeister Stephan Sander. Bei der Frage nach einer Kreditaufnahme hätten zwei Banken abgewunken, und die Stadt Itzehoe sei nicht bereit, die Kosten für die Unterhaltung der Platzanlage zu übernehmen. Die Gespräche mit der Stadt seien zwar konstruktiv gewesen, der Verein sei aber nicht in der Lage, die Situation politisch in eine andere Richtung zu lenken. „Die Unterhaltung der Platzanlage ist für einen Verein in der Größenordnung des ISV nicht zu leisten“, so Ulrich. Es gebe keine positive Fortführungsprognose, weshalb nur der Gang zum Amtsgericht bleibe, um dort Insolvenz anzumelden. Ansonsten müsse der Vorstand privat haften, und der Vorsitzende hätte auch noch ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung am Hals.

Der Insolvenzantrag ist zwar nicht gleichbedeutend mit der Einstellung des Spielbetriebes. Der droht nur, wenn auch Verbandsabgaben nicht gezahlt werden könnten. Es zeichnete sich am Ende der Versammlung aber eine Aufbruchstimmung unter den aktiven Spielern ab, sodass möglicherweise schon bald Mannschaften abgemeldet werden müssen. Das wäre das endgültige Aus des Traditionsclubs.

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