Beim Bundesverband der Lebensmittelhändler: Dierk Frauen legt Präsidentenamt nieder

Dierk Frauen
Dierk Frauen

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07. April 2010, 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Acht Jahre lang hat er als Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) die Interessen der selbstständigen Lebensmittelhändler vertreten: Diplom-Kaufmann Dierk Frauen aus Brunsbüttel. Nach Unstimmigkeiten mit dem "Handelsverband Deutschland (HDE) - Der Einzelhandel" hat der 42-Jährige sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, ebenso wie den Posten als Vorstand und Präsidiumsmitglied des HDE. Bis zur Delegiertenversammlung im Oktober führen nun die Vize-Präsidenten und der Schatzmeister den BVL kommissarisch.

"Wir Lebensmittelhändler sind schon leidensfähig. Aber irgendwann ist die Grenze einfach erreicht", begründet Dierk Frauen seinen Rücktritt. Obwohl sich der Kaufmann in der Öffentlichkeit mit Kritik bislang zurück gehalten hat, merkt man ihm an, dass er vom HDE enttäuscht ist. "Seit einem halben Jahr sind die Fortschritte in der Zusammenarbeit ins Stocken geraten." Er habe das Gefühl gehabt, nicht mehr weiter zu kommen. "Dann muss es ein anderer richten", so Dierk Frauen.

Als der damals 34-Jährige von der Delegiertenversammlung des BVL zum Nachfolger von Herbert Blank aus Köln gewählt wurde, führte der Verband innerhalb der von Großkonzernen dominierten HDE-Organisation ein Eigenleben. In seiner Amtszeit setzte sich Dierk Frauen daher vehement für die selbstständigen Unternehmer ein. Immerhin gebe es bundesweit gut 4500 Edeka- und 1600 Rewe-Händler, die auf eigene Rechnung arbeiteten. "Mein Ziel war immer, die Wahrnehmung des Handels zu stärken - aber bitte auch die selbstständigen Strukturen." Dem HDE spricht der Kaufmann die von ihm geforderte Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft ab. "Gute Zusammenarbeit funktioniert nur auf Augenhöhe." Trotz reiflicher Überlegung sei ihm die Entscheidung, den Posten als BVL-Präsident nieder zu legen, nicht leicht gefallen. "Es war ein schwerer Tag", erklärt der 42-Jährige. Die acht Jahre seiner Amtszeit seien schließlich "nicht nur Kampf und Frust" gewesen. "Es hat ganz viele tolle Momente gegeben." Gern erinnert er sich in dem Zusammenhang an das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im September in Berlin. Bei dem Gespräch habe er deutlich machen können, dass der Handel nicht nur aus Konzernen besteht.

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