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Beim Blick auf die Rente vergeht Frauen das Lachen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ernstes Thema von zwei Autorinnen / Verein Leselust macht Pause bis Januar

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2015 | 00:36 Uhr

Der Verein Leselust war aufgrund der Sanierungsarbeiten am Neuen Rathaus in die Gemeinschaftsschule ausgewichen – und nur selten und wenn, dann eher verhalten, erklang Lachen in der Mensa. Christina Bylow und Kristina Vaillant lasen Textpassagen aus ihrem Buch „Die verratene Generation“. Der Untertitel „Was wir den Frauen in der Lebensmitte zumuten“ verrät schon einen ernsten Hintergrund, und wer den Ausführungen der beiden Autorinnen folgte, dem verging das Lachen.

Karin Dietrich-Olsen vom Leselust-Kuratorium begrüßte die Zuhörer, und die Itzehoer Rechtsanwältin schilderte aus ihrer Praxiserfahrung, dass viele Frauen sich immer noch keine Gedanken machen, wie es finanziell im Alter weitergehen soll.

„Wir wollten eine Gesamtschau über Frauen unserer Generation schreiben“, erklärten Christina Bylow und Kristina Vaillant. Sie gehören beide zu den Babyboomern der 60er Jahre und nahmen eine Studie der FU Berlin über die Erwerbsverläufe der geburtenstarken Jahrgänge zum Anlass für ihre Recherche. „Das sind Frauen mit hohem Bildungsabschluss, die vor der Frage standen, als Karrierefrauen auf Kinder zu verzichten oder Vollzeitmütter zu werden.“ Es gab weder ganztags Kindergärten noch Betriebs-Kitas. „Ein großer Teil von Akademikerinnen sind kinderlos“, erläuterte Bylow. „Während Männer unbefristete Arbeitsverträge erhielten, bekamen Frauen befristete, weil die Kinderzeiten mit einkalkuliert waren.“ Frauen, die heute um die 50 sind, mussten viele Steine aus dem Weg räumen und Umwege gehen, um eine bessere Lebensqualität zu haben, als ihre Mütter. „Was sie geschafft haben, haben sie trotzdem geschafft“, fasste Christina Bylow zusammen.

Kristina Vaillant klärte über die „Rentenfalle“ auf. „Der gesetzliche Rentenbescheid, der uns zugestellt wird, ist ein Resümee über das, was wir in unserem Leben geleistet haben.“ Und das ist oft trotz aller Anstrengungen und Arbeitszeiten nicht viel. „Wer nicht 45 Jahre und mit einem jährlichen Einkommen von 30  000 Euro erwerbstätig war, hat keine Chance auf eine existenzsichernde Rente“, rechnete die Schriftstellerin vor. Wobei die Altersarmut nicht neu sei, sondern schon immer ein Thema war, wie Vaillant ausführte. Dabei gibt es viele Ansätze in der Gesetzgebung und es finden gerade Diskussionen über eine einfache Rückkehr in die Vollzeit, Familien- und Regelarbeitszeiten statt. Ob Frauen in der Lebensmitte als Fachkräftepotenzial oder als altes Eisen angesehen werden, liegt auch in ihrer Darstellung in den Medien und der Wahrnehmung in der Gesellschaft. „Frauen Mitte 50 strahlen Mut, Vitalität und Aktionismus aus, während Babyboomer-Männer Söhne von Vollhausfrauen sind, die immer umsorgt wurden.“

Im Anschluss an die Lesung wurden einige Aspekte lebhaft diskutiert und Erfahrungen geschildert. Leselust macht jetzt bis zum 18. Januar Pause. Dann stellt Eggert Eicke den zweiten Teil seiner Jakobsweg-Reise vor. Bis einschließlich Februar finden die Lesungen in der Gemeinschaftsschule statt, voraussichtlich im März geht es dann im Spiegelsaal weiter.

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